Angesichts niedriger Erzeugerpreise blicken viele Schweinehalter pessimistisch in die Zukunft. Sauenhalterin Dagmar Klingelhöller warnt vor weiteren Betriebsaufgaben und fordert neue Marktmechanismen, um die Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung zu sichern. Besonders kritisch sei die Lage bei Ferkeln und Mastschweinen, wo die Einnahmen nach ihren Angaben deutlich unter den Produktionskosten liegen.
„Schweinehaltung darf kein Verlustbringer sein“
Angesichts der aktuellen Marktlage rechnet Sauenhalterin Dagmar Klingelhöller mit weiteren Betriebsaufgaben. „Es werden weitere Betriebe aufgeben, sogar große Betriebe geraten in Schieflage“, sagte sie dem „Spiegel“. Die Landwirtin führt einen Betrieb in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit 1.300 Sauen, hat das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein gegründet und ist im Vorstand der Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), in der sich Handels- und Agrarverbände vernetzt haben.
Zusätzliche Standbeine könnten nach Einschätzung Klingelhöllers zwar grundsätzlich helfen. „Aber Schweinehaltung darf kein Verlustbringer sein, sie muss sich rechnen.“ Aktuell mache sie mit ihren Ferkeln Verlust. „Wir zahlen drauf. Wir haben mit die niedrigsten Ferkelpreise seit vier Jahren“, sagte sie dem „Spiegel“.
Die zentrale Notierung liege nach ihren Angaben derzeit bei 37 Euro für ein 25-Kilo-Ferkel, sie kalkuliere mit rund 20 Euro Verlust pro Ferkel. Bei Mastschweinen bekämen Landwirte derzeit etwa 1,50 Euro pro Kilo Schlachtgewicht, „da fehlen 40 bis 50 Cent pro Kilo zur Kostendeckung“, so Klingelhöller gegenüber dem „Spiegel“. Diese Verluste gebe es nach ihren Worten auch in höheren Haltungsstufen mit mehr Platz und Außenklima.
Forderung nach verbindlichen Absprachen und Kennzeichnung
Klingelhöller engagiert sich nach eigenen Angaben für faire Konditionen für Landwirte. Ihr Vorschlag für auskömmliche Preise: Landwirte, Verarbeiter und Handel sollen bereits vor der Produktion in Verträgen gemeinsam Mengen und Preise festlegen. „Das wäre keine Planwirtschaft, sondern ein faires Miteinander“, sagte Klingelhöller dem „Spiegel“.
Darüber hinaus plädiert sie für mehr Transparenz im Handel mit Fleischprodukten. „Und ich wünsche mir eine umfassende Herkunftskennzeichnung, damit jeder Verbraucher weiß, woher sein Fleisch stammt. Es sollte nicht rund um den Globus reisen“, sagte sie dem „Spiegel“.
