Der Markt für rauchfreie Nikotinprodukte wächst seit Jahren deutlich. Laut Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist der Zigarettenabsatz in Deutschland zwischen 2012 und 2023 um mehr als ein Viertel gesunken, während alternative Konsumformen an Bedeutung gewinnen. Konsumenten stehen dabei vor einer wachsenden Auswahl.
Nikotinbeutel: tabakfrei, aber nikotinhaltig
Nikotinbeutel, häufig als Pouches bezeichnet, bestehen aus Zellulose- oder Pflanzenfasern, Nikotin, Aromen und Bindemitteln. Anders als klassischer Snus enthalten sie keinen Tabak, weshalb sie rechtlich nicht dem Tabakerzeugnisgesetz unterliegen. Der Bundesgerichtshof hat 2022 klargestellt, dass Nikotinbeutel als Lebensmittel im Sinne der EU-Verordnung 178/2002 gelten und ohne Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung derzeit nicht verkehrsfähig sind. Ein bundesweites Zulassungsverfahren steht aus, sodass sich viele Konsumenten die Produkte im europäischen Ausland beschaffen. Wer Snus online bestellen möchte, greift dabei häufig auf Anbieter aus Schweden zurück, wo Nikotinbeutel und traditioneller Snus fest im Alltag verankert sind. Der Nikotingehalt schwankt je nach Produkt zwischen etwa 4 und 20 Milligramm pro Beutel, die Wirkdauer liegt bei rund 30 bis 60 Minuten.
Gesundheitlich gilt der Verzicht auf Verbrennung als zentraler Faktor. Das schwedische Karolinska-Institut hat in mehreren Beobachtungsstudien darauf hingewiesen, dass die Krebsrisiken bei tabakfreien Alternativen niedriger einzuordnen sind als bei Zigaretten, ein risikofreier Konsum ist damit jedoch nicht verbunden. Nikotin selbst bleibt suchterzeugend und wirkt auf das Herz-Kreislauf-System.
E-Zigaretten: Verdampfen statt Verbrennen
E-Zigaretten erhitzen eine Flüssigkeit (Liquid) auf etwa 150–250 °C, wobei ein Aerosol entsteht, das inhaliert wird. In Deutschland fallen sie unter das Tabakerzeugnisgesetz und die Tabakerzeugnisverordnung, die eine maximale Nikotinkonzentration von 20 Milligramm pro Milliliter und maximal 2 Milliliter Füllmenge für den Tank vorschreiben. Aromatisierte Liquids für Einweg-E-Zigaretten sind derzeit Gegenstand politischer Initiativen auf EU-Ebene.
2015 veröffentlichte die britische Gesundheitsbehörde Public Health England eine vielzitierte Einschätzung, wonach E-Zigaretten über 95 % weniger schädlich seien als klassische Zigaretten. Diese Zahl wird in der Fachwelt sehr kontrovers diskutiert und beruht auf einer Expertenschätzung, nicht auf klinischen Langzeitdaten. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie warnt jedoch vor Langzeitfolgen für die Lunge, besonders bei jungen Konsumenten. Zertifizierte Produkte tragen in Deutschland eine Registrierungsnummer und müssen Prüfberichte zu Inhaltsstoffen und Emissionen vorlegen.
Kautabak und traditioneller Snus: die klassische Variante
Kautabak wird in Deutschland seit Jahrzehnten legal verkauft und ist als Tabakerzeugnis reguliert. Er enthält Tabakblätter, Salze und Aromen und wird zwischen Zahnfleisch und Wange platziert. Traditioneller schwedischer Snus fällt rechtlich ebenfalls unter die Kategorie der oralen Tabakerzeugnisse. Der Verkauf ist innerhalb der EU seit 1992 verboten, Schweden erhielt beim Beitritt 1995 eine Ausnahmegenehmigung. In Deutschland ist der gewerbliche Verkauf von tabakhaltigem Snus damit unzulässig, der private Eigenbedarf aus dem EU-Ausland wird in begrenzten Mengen geduldet.
Studien der schwedischen Behörde Folkhälsomyndigheten zeigen, dass Schweden trotz weit verbreitetem Snus-Konsum die niedrigste Raucherquote in der EU aufweist. Sie lag 2022 bei etwa 5 Prozent, verglichen mit einem EU-Durchschnitt von rund 24 Prozent. Kritiker verweisen auf ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischerkrankungen und mögliche Zusammenhänge mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, wobei die Datenlage uneinheitlich ist.
Was Konsumenten vor der Entscheidung beachten sollten
Wer zwischen den Kategorien wählt, sollte rechtlichen Status, individuelle Gesundheitssituation und Konsumkontext prüfen. Ein Blick auf Herkunft und Zertifizierung der Produkte ist ratsam, ebenso die Rücksprache mit Ärztinnen und Ärzten bei bestehenden Vorerkrankungen. Für Menschen, die vollständig auf Nikotin verzichten möchten, bieten Krankenkassen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Beratungs- und Ausstiegsprogramme an, deren Wirksamkeit in Metaanalysen der Cochrane Collaboration mehrfach bestätigt wurde.
