Künstlerinnen und Künstler, Architektinnen und Architekten sowie Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern blicken mit Sorge auf die Pläne der AfD für Kultur und Bildung. Hintergrund ist ein nicht-öffentlicher Entwurf für ein „Regierungsprogramm“, der auf dem AfD-Landesparteitag am Samstag verabschiedet werden soll und aus dem die FAZ zitiert. Demnach will die Partei traditionelle „Volkskunst“ stärken, „ideologisch motivierte Projekte“ überprüfen und bei öffentlichen Bauten einen „architektonischen Heimatstil“ durchsetzen. Konkrete Ausgestaltungen bleiben in dem Entwurf offen.
Sorge um Kunst- und Kulturszene
Der FAZ zufolge will die AfD im Kulturbereich die traditionelle „Volkskunst“ fördern und „ideologisch motivierte Projekte“ überprüfen. Was unter einem solchen ideologischen Charakter zu verstehen ist, wird in dem Entwurf nicht erläutert.
Hans-Georg Wegner, Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin, sagte der FAZ: „Kunst braucht Freiheit, und um die machen wir uns ganz erheblich Sorgen.“ An seinem Haus arbeiteten laut Wegner Menschen aus 22 Nationen, darunter solche, denen man ansehe, dass sie keine deutschen Wurzeln hätten. Diese fühlten sich teils bedroht und hätten Angst. Das Mecklenburgische Staatstheater ist eine hundertprozentige Tochter des Landes und wäre somit unmittelbar von möglichen Einschränkungen betroffen, sollte die AfD nach der Landtagswahl im September regieren.
Auch im Bereich der freien Szene werden Einschränkungen befürchtet. „Wir befürchten, dass wir finanziell wie auch inhaltlich eingeschränkt werden“, sagte Birte Bernstein der FAZ. Bernstein ist im Vorstand des Landesverbands Freie Darstellende Künste Mecklenburg-Vorpommern (fredak). „Wenn da überall die Fördergelder wegfallen, sind wir lahmgelegt“, so Bernstein.
Architekten kritisieren „architektonischen Heimatstil“
Im Programmentwurf der AfD in Mecklenburg-Vorpommern wird die Rolle der öffentlichen Hand bei Bauprojekten hervorgehoben. Öffentliche Bauvorhaben prägten demnach maßgeblich Innenstädte und Infrastruktur. Einzug gehalten habe eine „gesichtslose“ moderne Architektur. „Regionale Baustile finden sich nur noch selten und sorgen so für eine mangelnde Identifikation mit der Heimat.“ Bei öffentlichen Bauten solle in Zukunft auf einen „architektonischen Heimatstil“ geachtet werden. Wie ein solcher „Heimatstil“ konkret aussehen soll, wird in dem Entwurf nicht ausgeführt.
Christoph Meyn, Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, sagte dazu der FAZ, jegliche parteipolitisch geprägte Aufstellung von kulturellen wie baukulturellen Zieldefinitionen sei „hoch problematisch“. Die gelebte Baukultur im 21. Jahrhundert sei Ausdruck einer offenen Gesellschaft.
AfD-Pläne für Bildung und Reaktionen der GEW
In dem „Regierungsprogramm“ wirft die AfD der rot-roten Landesregierung vor, „systematisch“ darauf hinzuarbeiten, „die deutsch geprägte Gesellschaft durch eine multikulturelle Gesellschaft zu ersetzen“. An den Schulen gebe es demnach „Umerziehungsprogramme“ und „Frühsexualisierung“. Nach dem Willen der AfD sollen Lehrinhalte künftig „ein lebensbejahendes, verantwortungsvolles Familienbild vermitteln“.
Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Nordosten, Sandra Astarás, sagte der FAZ, die Lehrkräfte seien alle der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet. Sowohl das Grundgesetz als auch Landesverfassung und Schulgesetz schützten diese Werte. Leider werde aber besonders im Schulbereich sehr viel und weitreichend über Verordnungen und Erlasse geregelt, die nicht der parlamentarischen Kontrolle unterlägen, so Astarás. Daher bestehe die Gefahr, dass eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD die Bildungslandschaft nachhaltig umgestalten könne.
✨ mit KI bearbeitet