Die Deutsche Bahn will den Alkoholkonsum an allen rund 5.400 Bahnhöfen verbieten. Das ist eine längst überfällige Entscheidung. Wer regelmäßig mit der Bahn unterwegs ist, kennt die Probleme: alkoholisierte Fahrgäste, aggressive Stimmung, lautstarke Auseinandersetzungen und ein Sicherheitsgefühl, das gerade in den Abendstunden deutlich leidet. Natürlich wird ein Alkoholverbot nicht sämtliche Vorfälle verhindern. Es nimmt aber einen wesentlichen Auslöser vieler Konflikte aus dem öffentlichen Raum.
Die Kritik der Gewerkschaft der Polizei, das Verbot sei wegen fehlenden Personals kaum zu kontrollieren, ist nachvollziehbar. Doch das darf kein Argument gegen die Regel selbst sein. Gesetze und Verbote werden schließlich nicht abgeschafft, nur weil ihre Durchsetzung Aufwand bedeutet. Entscheidend ist vielmehr, dass Verstöße spürbare Konsequenzen haben. Wer sich nicht an das Alkoholverbot hält, muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. In hartnäckigen Fällen müssen Platzverweise oder sogar Hausverbote selbstverständlich dazugehören.
Eigentlich geht die Bahn mit ihrem Vorhaben noch nicht weit genug. Wenn Alkohol auf Bahnhöfen als Sicherheitsrisiko gilt, warum sollte er dann wenige Minuten später im Zug plötzlich unproblematisch sein? Einzelne Eisenbahnunternehmen wie Metronom zeigen bereits, dass Alkoholverbote in Zügen funktionieren können. Ein bundesweites Verbot auch in Zügen würde für klare Regeln sorgen und Diskussionen vermeiden.
Allerdings steht und fällt jede Vorschrift mit ihrer Durchsetzung. Das zeigt das bestehende Rauchverbot auf Bahnhöfen. Offiziell darf nur in ausgewiesenen Bereichen geraucht werden. Die Realität sieht oft anders aus. Auf vielen Bahnsteigen wird überall geraucht – nicht selten direkt vor den Augen des Bahnpersonals, ohne dass etwas passiert. Ein Verbot, das niemand kontrolliert, verliert seine Glaubwürdigkeit.
Deshalb wäre auch beim Rauchen ein Umdenken sinnvoll. Die Niederlande machen vor, dass es funktionieren kann: Dort ist das Rauchen in Bahnhöfen und auf Bahnsteigen grundsätzlich verboten. Die Regel ist einfach, eindeutig und sorgt für saubere Luft sowie weniger Dreck. Genau diese Klarheit täte auch Deutschland gut.
Ein Alkoholverbot auf Bahnhöfen ist deshalb ein richtiger Schritt – sofern es nicht bei einem Symbol bleibt. Regeln müssen verständlich sein, konsequent gelten und ebenso konsequent durchgesetzt werden. Sonst hängen am Ende nur neue Verbotsschilder an den Bahnhöfen, während sich auf den Bahnsteigen nichts ändert.
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„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung)
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