Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, verlangt von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) einen radikalen Kurswechsel in der Gesundheitsvorsorge. Deutschland schneide im internationalen Vergleich bei der Krankheitsprävention schlecht ab, so seine Kritik.
Schlechte Noten für deutsche Prävention
Die Menschen in Deutschland seien im Schnitt häufiger übergewichtig, rauchten mehr und bewegten sich weniger als in anderen Ländern, erklärte Gassen der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er fordert, stärker in Kitas und Schulen zu investieren, damit Kinder früh gesunde Lebensgewohnheiten erlernen. Zudem müsste der öffentliche Gesundheitsdienst gestärkt werden – ein Versprechen aus der Corona-Zeit, das seiner Ansicht nach nicht eingelöst wurde.
Steuererhöhungen als falscher Ansatz
Unter Warkens Führung hatte die Regierung zwar Steuern auf Tabak und hochprozentigen Alkohol um 20 Prozentpunkte erhöht. Gassen sieht darin jedoch vor allem ein Mittel zur Erhöhung der Staatseinnahmen. Um Konsumverhalten wirksam zu ändern, seien deutlich höhere Preise nötig: "Bei der Flasche Wodka hätten es fünf oder zehn Euro mehr sein müssen.". Auch bei Zigaretten reichten zwei Euro Aufschlag pro Schachtel nicht aus. "Da hätte der Staat lieber mal ordentlich zulangen sollen", so der KBV-Chef. Wenn sich junge Menschen die Produkte nicht mehr leisten könnten, sei das ein Erfolg – selbst wenn der Staat dadurch weniger Steuern einnehme, da die Gesundheitskosten sinken würden.
Gassen bewertet die Arbeit der ehemaligen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in Sachen Prävention als ungenügend. Ihre am 16. Juli vorgestellte Offensive wirke fast zynisch, da sie eine Woche nach Verabschiedung eines Sparpakets gestartet sei, das zu weniger Vorsorgeuntersuchungen führen werde. Zudem fehle in den Plänen jede konkrete Idee zur Stärkung der Prävention. Deswegen komme ihm die Initiative „schon etwas wie eine Alibiveranstaltung vor“.