Bundesinnenminister Dobrindt spricht von hybrider Bedrohungslage
Am Flughafen Leipzig/Halle ist in der Nacht zu Mittwoch eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt worden. Das Fluggerät lag nach Angaben des sächsischen Landeskriminalamts auf der Südpiste, nur wenige Meter von einem ukrainischen Antonow-Frachtflugzeug entfernt. Ein Mitarbeiter des Flughafens hatte die Drohne gegen 23.42 Uhr bemerkt, wie die Welt berichtet. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Vorrichtung, indem sie den Zünder entfernten. Erste Untersuchungen deuten auf sprengfähige Nitrate hin, weitere Tests ergaben laut NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung auch PETN und Semtex – hochexplosive Substanzen, die im Militärbereich verwendet werden. Medien berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Zünder sei defekt gewesen, weshalb die Vorrichtung nicht explodierte.
Drohnenfund deutet auf professionelle Täter hin
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) unterbrach seinen Urlaub und reiste zu einer Lagebesprechung mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU) und Vertretern der Sicherheitsbehörden an. Dobrindt sprach von einem „hybriden Anschlagsszenario“ und einer „neuen Gefahrenqualität“. Dass eine Drohne mit Sprengstoff auf einem Flughafengelände gefunden wurde, sei ein neues Bedrohungsszenario, das „sehr professionell vorbereitet“ worden sei, sagte er. Es deute nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin, sondern setze ein hohes Maß an Technikerfahrung und Sprengstoffkenntnis voraus. Eine Beteiligung „fremder Mächte“ schloss Dobrindt nicht aus, wie die Zeit berichtet.
Kollision mit Frachtmaschine verschärft Lage
Parallel zum Fund der Drohne wurde ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet, das mit einer DHL-Frachtmaschine kollidierte. Das Flugzeug landete sicher in Hannover, wobei leichte Beschädigungen festgestellt wurden. Ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen gibt, ist noch unklar. Sachsens Innenminister Schuster bezeichnete den Vorfall als „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“ und betonte, die Gefahrenlage sei „nicht mehr abstrakt, sie ist hoch“. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sah darin eine Bedrohungslage mit neuer Qualität.
Ermittlungen konzentrieren sich auf Extremismus
Die Ermittlungen werden von der Zentralstelle Extremismus Sachsen bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und dem Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des LKA Sachsen geführt. Eine politische Motivation wird nicht ausgeschlossen. Der Flughafen Leipzig/Halle ist Drehscheibe für die Nato und Rüstungsgüter für den Ukraine-Krieg.
Die zentralen Punkte im Überblick
Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Vorfall. „Wer könnte es noch sein außer Russland?“, sagte er dem WELT-Nachrichtensender. Auch Sicherheitsexperte Nico Lange hält Russland für den Drahtzieher und sieht darin ein Schema hybrider Angriffe gegen Deutschland.
Nach zwei Stunden Sperrung wurde der Flugbetrieb auf der Nordpiste wieder aufgenommen. Die Südbahn bleibt weiterhin gesperrt. Der Flughafenverband ADV forderte die Politik zum schnellen Handeln auf und betonte, Drohnenabwehrsysteme müssten „schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden“.