Trotz internationaler Proteste: Isländische Walfänger erlegen erste Finnwale seit 2023.
Nach einer zweijährigen Pause haben isländische Walfänger wieder Wale getötet. Wie der isländische Sender RUV am Montag berichtete, handele es sich bei den beiden erlegten Tieren um Finnwale – die ersten in Island getöteten Wale seit 2023. Daniel Jonsson vom Walfangunternehmen Hvalur bestätigte gegenüber RUV, die Meeressäuger seien am Sonntagabend „erfolgreich“ erlegt und würden nun an Land gebracht. Tierschutzorganisationen wie Pro Wildlife und Humane World for Animals üben scharfe Kritik an der Praxis und bezeichnen die Jagd als „wirtschaftlich unrentabel und politisch nicht mehr zu rechtfertigen“. Mona Schweizer von Pro Wildlife betonte, die isländische Gesellschaft wende sich zunehmend vom Walfang ab, und der einstige Hauptabnehmer Japan verliere als Absatzmarkt an Bedeutung.
Island startet Walfangsaison mit Protesten
Island ist neben Norwegen und Japan eines der wenigen Länder, in denen der kommerzielle Walfang noch erlaubt ist. Das zuständige isländische Institut für Meeres- und Süßwasserforschung hat für dieses Jahr eine Fangquote von 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen festgelegt. Das Walfangunternehmen Hvalur, eines von zwei noch aktiven Betrieben in Island, hatte am Freitagabend zwei Schiffe vom Hafen der Hauptstadt Reykjavík aus in See stechen lassen. Beim Auslaufen der Schiffe kettete sich ein Aktivist kurzzeitig an einem der Masten fest, um gegen die Jagd zu protestieren, wie der Spiegel berichtet.
Walfang-Ende in Island erst nach 2029 möglich
Die isländische Regierung hatte in der Vergangenheit angekündigt, die Walfanggesetze zu überprüfen, mit dem Ziel, die Jagd langfristig zu beenden. Ein neuer Gesetzentwurf könnte bereits im Herbst 2026 vorgelegt werden, wie Pro Wildlife mitteilt. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass mögliche Änderungen erst nach Ablauf der aktuellen Fünfjahreslizenz im Jahr 2029 in Kraft treten. Tierschützer wie Joanna Swabe von Humane World for Animals fordern die Regierung auf, konkrete Pläne für ein Ende des Walfangs vorzulegen. Sie verweisen darauf, dass Island in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 1000 Finnwale getötet habe, obwohl die Art weltweit als gefährdet eingestuft werde.
EU-Beitritt könnte isländischen Walfang beenden
Die aktuelle Walfangsaison fällt in eine politisch heikle Phase: Im August stimmt Island über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ab. Ein EU-Beitritt bei gleichzeitiger Fortsetzung des Walfangs gilt als politisch kaum denkbar. Dennoch geht die Jagd vorerst ungehindert weiter. Aktivisten wie Arne Feuerhahn vom Verein Hard To Port dokumentieren vor Ort das Leid der Tiere und kritisieren, dass der Todeskampf der Wale oft mehrere Minuten, manchmal sogar Stunden dauere. Mehr als die Hälfte der Isländer unterstütze inzwischen ein Ende der Jagd, so Feuerhahn.
