Immer mehr Menschen gehen vorzeitig in Rente und arbeiten zugleich weiter in nennenswertem Umfang. Besonders stark ist der Zuwachs bei langjährig Versicherten, die ihre Frührente mit einem Hinzuverdienst oberhalb eines Minijobs kombinieren. Das zeigt eine unveröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die die "Rheinische Post" (Freitagausgabe) berichtet.
Wegfall der Hinzuverdienstgrenze verändert Verhalten von Frührentnern
Laut der unveröffentlichten IW-Studie, über die die „Rheinische Post“ berichtet, reagieren viele Frührentner auf den vollständigen Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023. „Seit dem vollständigen Wegfall der Hinzuverdienstgrenze 2023 nimmt die Zahl der vorzeitig Verrenteten mit einem großen Hinzuverdienst zu“, heißt es darin.
Bei den besonders langjährig Versicherten – also Frührentnern mit 45 Versicherungsjahren – stieg der Anteil derjenigen mit großem Hinzuverdienst, der über einen Minijob hinausgeht, deutlich an. Nach Angaben der Studie erhöhte sich dieser Anteil von zehn Prozent im Jahr 2019 mit dem Wegfall der Grenze 2023 auf 25 Prozent. Das bedeutet: Jeder vierte dieser Frührentner arbeitet weiter und das für mehr als einen Minijob.
Einst war der Hinzuverdienst für Frührentner auf 6.300 Euro im Jahr begrenzt. Diese Grenze wurde 2023 abgeschafft.
Kaum Veränderung bei regulären Ruheständlern
Bei den Menschen, die bis zur Regelaltersgrenze weiterarbeiten, hat sich der Studie zufolge dagegen wenig verändert. Laut Studie arbeiten rund elf Prozent von ihnen im Ruhestand weiter.
Die Möglichkeit, Frührente zu beziehen und zugleich weiterzuarbeiten, wirkt nach den IW-Angaben insgesamt anziehend. Frührente und Weiterarbeiten ist so attraktiv, dass auch mehr Menschen vorzeitig in den Ruhestand gehen.
Mehr vorzeitige Renteneintritte, vor allem bei langjährig Versicherten
Seit der Reform gehen nach der Studie mehr Menschen vorzeitig in Rente statt bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. Besonders betroffen sind langjährig Versicherte, also Menschen mit mindestens 35 Versicherungsjahren, die schon ab 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen können. Ihr Anteil stieg von 19,4 Prozent im Jahr 2020 auf 24,0 Prozent im Jahr 2024.
Die Forscher bewerten diese Entwicklung kritisch. Der vorzeitige Rentenbezug belaste die Gesetzliche Rentenversicherung damit ausgabenseitig.
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