Osnabrück soll bis spätestens 2040 klimaneutral werden. Doch nach Einschätzung der Grünen ist dieses Ziel inzwischen akut gefährdet. Die Ratsfraktion fordert deshalb, beschlossene Klimaschutzmaßnahmen schneller umzusetzen – und nennt drei konkrete Bereiche, in denen die Stadt sofort handeln soll.
Heizungstausch soll beschleunigt werden
„Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben konkrete Ziele und Maßnahmen beschlossen, und nun geht es darum, das zu tun, was wir beeinflussen können – auch wenn die Bundesregierung hier aktuell versagt“, sagt Volkmar Seliger, klimapolitischer Sprecher der Osnabrücker Grünen.
Eine zentrale Stellschraube sehen die Grünen beim Heizen. Nach ihren Angaben werden in Osnabrück noch immer fast 90 Prozent der Gebäude mit Gas beheizt. Die Partei fordert deshalb ein kommunales Austauschprogramm für Öl- und Gaskessel. Der Umstieg auf Wärmepumpen soll beispielsweise über Contracting-Modelle der Stadtwerke beschleunigt werden.
Auch beim Verkehr sehen die Grünen dringenden Handlungsbedarf. Während die CO2-Emissionen in anderen Bereichen gesunken seien, seien sie im Verkehrssektor gestiegen. Innerhalb des Wallrings sollen deshalb weitere Straßenbereiche für Fuß- und Radverkehr sowie gegebenenfalls den ÖPNV vorgesehen werden. Gleichzeitig müsse die Erreichbarkeit der vorhandenen Parkgaragen garantiert bleiben.
Zusätzlich wollen die Grünen den Aktionstag „Osnabrück hat autofrei“ an ausgewählten Sonntagen wieder aufleben lassen.
Klimaschutz soll Chefsache werden
Seliger sieht Osnabrück grundsätzlich auf einem guten Weg. „Wir erleben in unserer Stadt einen Solar- und Sanierungsboom. Auch dank des Förderprogramms ,Osnabrück saniert‘ wurden in den letzten Jahren über 1.500 Photovoltaik- und Sanierungsvorhaben umgesetzt.“
Beim Ausbau der Photovoltaik gehöre Osnabrück deutschlandweit zu den fünf führenden Städten. Rund 70 Millionen Kilowattstunden Strom würden inzwischen jährlich vor Ort produziert.
Nun müsse die Stadt allerdings die Umsetzung ihrer eigenen Klimaschutzpläne beschleunigen. „Klimaneutralität ist eine zentrale Querschnittsaufgabe, deren Verantwortung nicht allein beim zuständigen Fachbereich liegen darf. Klimaschutz muss in allen Verwaltungsbereichen mitgedacht, priorisiert und zur Chefsache werden“, fordert Seliger.
Geld für Klimaschutzprojekte vor Ort
Als dritten Schwerpunkt schlagen die Grünen einen kommunalen Klimafonds vor. In diesen könnten Unternehmen, Bürger und die Stadtverwaltung selbst einzahlen. Das Geld soll ausschließlich in gemeinwohlorientierte Klimaschutzprojekte fließen, die ohne zusätzliche Einnahmen nicht umgesetzt werden könnten.
Hintergrund der Forderungen ist der Ende August vorgestellte Bericht des Klimabeirats. Nach Einschätzung der Grünen zeigen die jüngsten Hitzewochen und die anhaltende Trockenheit, wie dringend Klimaschutz und Klimaanpassung seien. „Die jüngsten Hitzewochen mit massiver Trockenheit hatten enorme Folgen für die Menschen und die Umwelt in unserer Stadt. Das war kein normaler Sommer“, sagt Seliger.
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