Pizza verbindet – manchmal sogar Menschen, die sich eigentlich als Konkurrenten begegnen könnten. Bei Claudio Iglesias, Inhaber und Pizzabäcker von mywaytonapoli in Osnabrück und Lorenzo Parrotta, diesjähriger Weltmeister im neapolitanischen Pizza backen, ist daraus längst mehr geworden: Die beiden Pizzabäcker teilen nicht nur ihre Leidenschaft für den perfekten Teig, sondern auch ein gemeinsames Verständnis davon, worum es bei ihrem Handwerk eigentlich geht: Menschen glücklich zu machen.
Vom Balkon zum Weltmeistertitel
Als Weltmeister Lorenzo Parrotta am Sonntag (20. September) bei Claudio Iglesias in Osnabrück zu Besuch war, trafen sich deshalb nicht einfach zwei Kollegen aus der Pizzaszene. Es war ein Treffen unter Freunden.
Parrotta ist 24 Jahre alt, Italiener und lebt in Mannheim. Ursprünglich hat er Chemikant gelernt. Anders als Iglesias, der das Pizza backen von seinem Onkel beigebracht bekommen hat und seit zweieinhalb Jahren erfolgreich sein Restaurant mywaytonapoli in der Heinrichstraße betreibt, hat Parrotta als Quereinsteiger angefangen – zunächst ziemlich unkonventionell.
Die ersten Pizzen machte er zu Hause bei sich auf dem Balkon und brachte sich vieles selbst bei, vor allem über YouTube. Aus der anfänglichen Leidenschaft, geprägt durch eine Reise nach Neapel, wurde schließlich ein Beruf und inzwischen ist Parrotta Weltmeister. Am 10. Juli 2026 holte er den Titel und wurde damit zum jüngsten Weltmeister in den Aufzeichnungen.
Zwei erfolgreiche Pizzabäcker
Gemeinsam mit Iglesias ist Parrotta Teil des APN-Caputo-Teams, einer Gemeinschaft, in der sich einige der besten Pizzabäcker regelmäßig treffen und austauschen. Die zwei kennen sich erst seit knapp einem Jahr. Jedoch ist in der kurzen Zeit eine enge Verbindung entstanden. Beide sind bei der Deutschen Meisterschaft angetreten und gehören zu den besten Pizzabäckern des Landes.
Doch statt sich gegenseitig als Konkurrenten zu sehen, unterstützen sie sich bei neuen Rezepten oder geben sich gegenseitig Tipps zum Beispiel wenn es um das Thema Teig Verarbeitunggeht. Wie selbstverständlich diese Unterstützung geworden ist, zeigt eine Geschichte von einem kürzlich stattgefunden Event, zu dem Parrotta eingeladen war. Während des ersten Messetags war Parrottas Teig noch nicht ganz fertig. Iglesias half kurzerhand aus und stellte ihm seinen eigenen Teig zur Verfügung.
In der hart umkämpften Branche, in der jeder an seinem eigenen Rezept, seiner eigenen Technik und seinem eigenen Stil arbeitet, keineswegs selbstverständlich. Gerade das macht die Verbindung zwischen Claudio Iglesias und Lorenzo Parrotta jedoch aus. Wo andere vielleicht Konkurrenten sehen würden, sehen die beiden vor allem jemanden, mit dem sie sich austauschen und voneinander lernen können.
Ein Handwerk das verbindet
Genau hier liegt vielleicht auch die wichtigste Gemeinsamkeit der beiden. Beide betrachten Pizza nicht ausschließlich als Handwerk, sondern als etwas, das Menschen zusammenbringt. Parrotta bezeichnet sich selbst als Pizzabäcker mit Herz. Leidenschaft spielt für ihn eine zentrale Rolle. Gleichzeitig musste er lernen, mit Gegenwind umzugehen. Wer einen ungewöhnlichen Weg einschlägt und aus der Reihe tanzt, bekommt nicht automatisch nur Anerkennung, auch Neid spielt eine große Rolle. Seine Antwort darauf, wie er damit umgeht ist jedoch einfach: „weitermachen“.
Auch Iglesias kennt die Bedeutung von Durchhaltevermögen und steht seit sechs Jahren mit Leidenschaft jeden Tag vor dem Pizza Ofen. Die beiden Pizzabäcker haben sich ihren Platz in der Pizzawelt, mit viel Herzblut alleine erarbeitet, doch am Ende geht es für Iglesias und Parrotta, trotz eines guten Maß an Ehrgeiz, nicht um Titel, Wettbewerbe oder darum, wer die bessere Pizza macht. Es geht um den Moment, in dem ein Gast in die Pizza beißt und zufrieden lächelt.
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