Ein beschädigter Zaun, ein verdächtiger Gegenstand – noch dazu mit Wärmeentwicklung – und ein Großeinsatz mit Hubschrauber, Diensthunden und einer Drohne der Bundespolizei.
HASEPOST berichtete am Samstag exklusiv, noch ohne den Ort zu nennen, um den zu diesem Zeitpunkt noch laufenden Einsatz nicht zu stören.
Inzwischen hat die Polizei Osnabrück erklärt, was am Samstagvormittag (5. September) den Großeinsatz am Westnetz-Umspannwerk am Heideweg zwischen Lüstringen und Voxtrup ausgelöst hat.
Bauarbeiter entdeckten ein Loch im Zaun des Umspannwerks in Osnabrück-Voxtrup
Gegen 11 Uhr hatten Mitarbeiter einer Baufirma ein beschädigtes Zaunelement auf dem Gelände des Umspannwerks entdeckt und die Polizei verständigt.
Wegen der „besonderen Bedeutung der technischen Anlage“ sei das Gelände daraufhin unmittelbar umfassend überprüft worden, teilte die Polizei am Samstagnachmittag mit.
Der Aufwand war erheblich. Neben Einsatzkräften am Boden kamen ein Polizeihubschrauber und Diensthunde zum Einsatz. Die Bundespolizei unterstützte die Suche zusätzlich mit einer Drohne.
Ungewöhnliche Wärmequelle sorgt zunächst für zusätzlichen Verdacht
Bei der Absuche des Geländes wurde keine Person angetroffen. Allerdings stießen die Einsatzkräfte auf einen Gegenstand, der zunächst verdächtig erschien. Zusätzlich ging von ihm eine Wärmequelle aus.
Nach eingehender Überprüfung konnte die Polizei schließlich Entwarnung geben: Es handelte sich um ein harmloses „Zugrohr“, so die ungewöhnliche Bezeichnung, die von der Polizei in einer Pressemitteilung verwendet wurde. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.
Damit ist zumindest dieser Teil des Einsatzes geklärt.
Nicht geklärt ist dagegen, warum das Zaunelement beschädigt war. Ob jemand tatsächlich auf das Gelände eingedrungen ist und ob im Zusammenhang mit der Beschädigung eine Straftat vorliegt, ist nach Angaben der Polizei weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Kein Wort zur bundesweiten Anschlagsserie
Bemerkenswert ist die Polizeimitteilung auch vor dem Hintergrund der Ereignisse der vergangenen Tage.
Die HASEPOST hatte bereits während des Großeinsatzes die Frage aufgeworfen, ob ein Zusammenhang mit der aktuellen bundesweiten Serie von Angriffen und Anschlagsversuchen auf Umspannwerke und Hochspannungsleitungen bestehen könnte.
Nach mehreren Fällen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wurden noch am Samstag auch in Sachsen weitere selbstgebaute Vorrichtungen an Hochspannungsleitungen entdeckt.
Bundesweit wird zudem weiterhin nach Daniel V. gefahndet. Der Mann soll sich in ungewöhnlich offen formulierten Schreiben zu mehreren Sabotageakten bekannt haben und Angriffe auf die fossile Energieversorgung angekündigt beziehungsweise gerechtfertigt haben.
Polizei spricht von „sensibler Infrastruktur“
Statt auf die bundesweiten Vorgänge einzugehen, formuliert die Polizei auffällig allgemein. „Feststellungen im Bereich sensibler Infrastruktur werden von der Polizei sehr ernst genommen und entsprechend sorgfältig überprüft“, heißt es in der Mitteilung.
Die Einsatzmaßnahmen hätten insbesondere dazu gedient, „einen möglichen unbefugten Aufenthalt auf dem Gelände auszuschließen und mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen“. Auch diese Formulierung lässt erkennen, warum ein beschädigtes Zaunelement an diesem Samstag offenbar deutlich mehr Aufmerksamkeit auslöste, als dies bei einem gewöhnlichen beschädigten Grundstückszaun der Fall gewesen wäre.
„Neuralgische Punkte weiter besonders im Blick“
Noch deutlicher wird die besondere Lage im letzten Satz der Polizeimitteilung. Dort heißt es ausdrücklich: „Die Polizei Osnabrück hat die Umspannwerke in der Region als neuralgische Punkte weiter besonders im Blick.“ Bereits vor dem Einsatz hatte die Polizeidirektion Osnabrück öffentlich erklärt, nach den bundesweiten Vorfällen besonders aufmerksam auf Umspannwerke und andere Anlagen der kritischen Infrastruktur zu schauen.
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