Fachleute widersprechen dem Plan von Carsten Linnemann, Krankenkassen mit weniger als einer Million Versicherten zu Fusionen zu zwingen. Experten, Ökonomen und die Unternehmensberatung PWC raten von dem Vorhaben ab. Betroffene Kassen fordern den Gesundheitsminister auf, die Idee fallen zu lassen.
Kritik von Branchenkennern und Ökonomen
Franz Knieps, früherer Vorsitzender des Dachverbands der Betriebskrankenkassen, riet Linnemann, im neuen Amt von dem Plan abzurücken. „Lass die Finger davon, das passiert von selbst“, sagte Knieps der Süddeutschen Zeitung.
Ökonomen unterstützen diese Warnung. Werner Schirmer, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, sagte der Süddeutschen Zeitung: „Das wirkt eher populistisch, die Daten sprechen überwiegend dagegen“. Er verwies darauf, dass Fusionen oft zunächst Ärger und Verwirrung auslösen – auch bei den Patienten. Schirmer hat eine Studie über das Gesundheitssystem verfasst.
Auch die Unternehmensberatung PWC lehnt das Linnemann-Modell ab. Manuel Meske, Gesundheitsexperte bei PWC, betonte: „Weniger Kassen allein lösen die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung nicht“. Jede Kassenfusion bleibe Symptombehandlung.
Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung haben betroffene Krankenkassen bei Gesundheitsminister Linnemann bereits die Forderung hinterlegt, seine frühere Idee zur Kassenreduzierung aufzugeben.
Das Gesundheitsministerium verwies auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung auf die "Finanzkommission Gesundheit„. Diese soll Ende des Jahres Vorschläge für Strukturreformen vorlegen, darunter auch Empfehlungen für die Strukturen im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen.