Führende Rentenexperten sehen Konstruktionsfehler bei der geplanten Einführung der kapitalgedeckten Komponente in der gesetzlichen Rente. Die Bundesregierung will das Modell ab 2028 schrittweise umsetzen. Streit gibt es über die Verwaltung der Milliarden.
Politische Ziele dürfen Altersvorsorge nicht überlagern
Tabea Bucher-Koenen, Wirtschaftsprofessorin an der Universität Mannheim und Mitglied der Rentenkommission, betont im Gespräch mit dem Spiegel, das Geld der Schweden-Rente müsse dauerhaft dem Zugriff der Politik entzogen werden. Im Zentrum der Kapitalanlage stehe ohne Wenn und Aber die Verbesserung der Altersvorsorge. Dies dürfe auf keinen Fall mit anderen politischen Zielen vermischt werden.
In der schwarz-roten Koalition wird seit Wochen diskutiert, die Rentenmilliarden für deutsche Start-ups oder die Sanierung maroder Brücken einzusetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von Wachstumsfinanzierung.
Bundesbank oder Kenfo als Träger?
Als mögliche Träger für die Verwaltung der Milliarden kommen die Deutsche Bundesbank und der Kenfo infrage. Die SPD-Fraktion im Bundestag will die Bundesbank damit betrauen. „Wir begrüßen den Vorstoß der Bundesbank“, sagte Frauke Heiligenstadt, finanzpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, dem Spiegel.
Der Kenfo verwaltet bereits Milliardenrücklagen für die Endlagerung von Atommüll. "Der Kenfo ist in der Lage und bereit, die Kapitalrente umzusetzen", erklärte dessen Chefin Anja Mikus dem Spiegel.
Experten sehen Defizite bei beiden Optionen
Experten halten beide Institutionen aktuell noch nicht perfekt für die Aufgabe aufgestellt. Gegen die Bundesbank spreche die bisher miese Rendite bei der Verwaltung staatlicher Rücklagen. Beim Pflegevorsorgefonds lag sie Schätzungen der Wirtschaftsweisen zufolge bei gerade einmal zwei Prozent pro Jahr. Der Kenfo wiederum leide unter geringer Bekanntheit in der Bevölkerung.
Jörg Rocholl, Kapitalmarktexperte und Mitglied der Rentenkommission, warnt: „Nach dem Riester-Desaster muss dieser Schuss einfach sitzen“. Er schlägt vor, die Bundesregierung sollte Kenfo und Bundesbank „zu einer neuen unabhängigen Institution weiterentwickeln, einer Art nationalen deutschen Assetverwalter“.