Der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz fordert einen schnellen Bau neuer Gaskraftwerke, um Versorgungslücken in wind- und sonnenschwachen Zeiten zu schließen. Vorstandschef Stefan Kapferer verweist auf eine jüngste Dunkelflaute, in der die Erneuerbaren weniger als zehn Prozent des Strombedarfs deckten, und warnt vor Engpässen ohne zusätzliche Gas-Kapazitäten. Er sieht auch bei weiter wachsendem Anteil erneuerbarer Energien langfristig erheblichen Bedarf an gesicherter Leistung aus Gaskraftwerken.
Versorgungslücken bei Dunkelflaute
In einer Dunkelflaute deckten die Erneuerbaren weniger als zehn Prozent des Strombedarfs, sagte Stefan Kapferer in einem Podcast des Senders ntv. In fünf oder zehn Jahren stünden die Erneuerbaren an solchen Tagen vielleicht bei 20 Prozent, aber dann fehlten immer noch 80 Prozent.
Nur mit Batteriespeichern ließen sich wind- und sonnenschwache Zeiten nach seiner Einschätzung noch nicht auffangen. „Batterietechnologien machen nicht nur bei den verfügbaren Mengen große Fortschritte. Die laufen inzwischen auch bis zu acht Stunden“, sagte Kapferer in dem ntv-Podcast. „Wir hatten aber 2025 eine Dunkelflaute, die länger als 200 Stunden dauerte. Das sind etwa neun Tage. Das decken wir nicht ohne neue Gaskraftwerke ab. Die zehn Gigawatt aus der ersten Ausschreibungsrunde benötigen wir definitiv.“
Dringender Appell für Ausschreibung
Die Ausschreibung der Gaskraftwerke ist noch für dieses Jahr geplant. Die Bundesregierung strebt den entsprechenden Beschluss im Bundestag vor der Sommerpause an – Kapferer zufolge auch höchste Zeit. In der Vergangenheit habe man für Bau und Genehmigung mit mindestens vier Jahren rechnen müssen, sagte der 50-Hertz-Chef in dem Podcast. Das sei auch das Zeitfenster, das gerade noch zur Verfügung stehe.
In einer Dunkelflaute wolle man keine Kohlekraftwerke ins System holen, so Kapferer. Braunkohlekraftwerke seien die dreckigsten von allen fossilen Kraftwerken und auch nicht so flexibel wie Gaskraftwerke.
Erneuerbare sollen nicht ausgebremst werden
Sicher ist Kapferer zufolge auch, dass der Ausbau der Erneuerbaren nicht unter den geplanten Gaskraftwerken leiden wird. „Kein Gaskraftwerk wird einen Solarpark, einen Onshore- oder einen Offshore-Windpark bei der Stromerzeugung verdrängen, denn das Gaskraftwerk ist die teuerste Lösung“, sagte Kapferer in dem ntv-Podcast. Das rechne sich nicht.
Stefan Kapferer ist seit 2019 Vorstandsvorsitzender von 50 Hertz. Der Übertragungsnetzbetreiber ist für den Netzbetrieb in Berlin, Hamburg und allen ostdeutschen Bundesländern verantwortlich.
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