Solidarität mit Berlin: Tausende gedenken der Opfer des Terroranschlags.
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben in München rund 4.000 Menschen an einer Mahnwache teilgenommen. Die Zahl wurde von den Veranstaltern in Abstimmung mit der Polizei genannt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Vor dem Münchner Rathaus wehten Regenbogenflaggen als Zeichen der Toleranz, die Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hatte aufhängen lassen. Die Gedanken aller seien bei den Verletzten, den Angehörigen und der queeren Community in Berlin, betonte der Münchner CSD-Geschäftsführer Alexander Kluge. «Heute trauern wir und wir stehen zusammen», sagte er. Krause unterstrich die Bedeutung, die offene Gesellschaft und deren demokratische Errungenschaften wie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu verteidigen. «All dies wurde durch den Anschlag vom Wochenende angegriffen», so der Oberbürgermeister.
CSD-Abbruch nach tödlichem Anschlag im Tiergarten
Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen verletzt. Der mutmaßliche Attentäter Abdul B. wurde am Sonntagabend von der Polizei erschossen, wie der Spiegel und die tagesschau übereinstimmend berichten. Laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatte ein BKA-Analysetool den Mann bereits Wochen vor dem Anschlag als „Hochrisikoperson“ eingestuft. Dennoch konnte er das Haus verlassen und den Anschlag im Tiergarten verüben, obwohl sein Hauseingang überwacht wurde.
Dobrindt fordert Präventivhaft für Gefährder
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte in den tagesthemen Konsequenzen und sprach sich für Präventivhaft für Gefährder aus. «Es braucht Regeln, dass Gefährder nicht nach Jugendstrafrecht behandelt werden und schon gleich gar nicht auf Bewährung in Freiheit kommen», sagte er. Der ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg verwies jedoch darauf, dass in einem Rechtsstaat eine Einstufung als Gefährder allein keine dauerhafte Inhaftierung rechtfertige. Ob jemand tatsächlich einen Anschlag verübe, sei eine andere Frage, so Götschenberg im Gespräch mit tagesschau24.
Hamburgs CSD mit massivem Polizeiaufgebot
In anderen Städten wie Hamburg, Hannover oder Kiel fanden ebenfalls Mahnwachen statt. In Hamburg wird der CSD am kommenden Wochenende mit verstärktem Polizeischutz stattfinden, wie die tagesschau und der NDR berichten. Die Veranstalter erwarten rund 250.000 Teilnehmer. Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel betonte, man werde alles tun, damit die Veranstaltungen sicher über die Bühne gehen. Der Sprecher von Hamburg Pride, Manuel Opitz, forderte ein Umdenken in der Politik und die Wiederaufnahme des bundesweiten Aktionsplans „Queer leben“.
Queere Vielfalt warnt vor rassistischer Instrumentalisierung
Der Verband „Queere Vielfalt“ warnte unterdessen vor einer rassistischen Instrumentalisierung des Anschlags. Es gelte, sich gemeinsam jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenzustellen, teilte der Verband mit. Auch Politiker wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) oder Niedersachsens Regierungschef Olaf Lies (SPD) bekundeten ihre Solidarität mit der queeren Community und den Opfern.