Wer einen Arzttermin vereinbaren möchte, braucht immer häufiger nicht mehr zum Telefon zu greifen, sondern muss das Internet nutzen. Auch in Osnabrück setzen immer mehr Arztpraxen auf digitale Terminbuchung. Teilweise sind Termine kaum noch telefonisch zu bekommen – und vereinzelt werden Patientinnen und Patienten sogar vor Ort auf die Online-Terminvergabe verwiesen. Das wirft die Frage auf: Werden insbesondere ältere Menschen dadurch benachteiligt?
Digitalisierung entlastet die Praxen
Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) ist der Trend zur Online-Terminvergabe nicht nur vorübergehend, sondern wird sich weiter verstärken. Hintergrund ist vor allem die hohe Arbeitsbelastung in den Praxen.
„Es ist richtig, dass Praxen zunehmend Online-Terminbuchungen anbieten – dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Digitalisierung entlastet das stark belastete Praxispersonal, und diese Entlastungen kommen auch den Patientinnen und Patienten zugute, denn es entsteht mehr Zeit für Patientenbetreuung in der Praxis“, erklärt Lars Menz, stellvertretender Pressesprecher der KVN.
Aus Sicht der KVN bringt die digitale Terminvergabe zahlreiche Vorteile mit sich. So könnten Wartezeiten verkürzt werden, weil Patienten automatisch an ihre Termine erinnert werden und dadurch seltener unentschuldigt fehlen. Außerdem sei die Terminbuchung unabhängig von Öffnungszeiten möglich und erleichtere beispielsweise auch gehörlosen Menschen die Terminvereinbarung.
Ältere Menschen könnten benachteiligt werden
Die Entwicklung hat jedoch auch Schattenseiten. Nicht jeder verfügt über die technischen Möglichkeiten oder die nötige Routine im Umgang mit digitalen Angeboten. Besonders ältere Menschen könnten dadurch Schwierigkeiten bekommen, überhaupt einen Termin zu vereinbaren.
Auch die Kassenärztliche Vereinigung sieht dieses Problem. „Patientinnen und Patienten mit wenig Affinität zu solchen Tools – in erster Linie ältere Personen – werden dabei aber durchaus auch ausgeschlossen und fühlen sich benachteiligt.“
Verantwortung liegt bei den Praxen
Einen Anspruch auf eine telefonische oder persönliche Terminvergabe gibt es jedoch nicht. Nach Angaben der KVN entscheiden die niedergelassenen Ärzte selbst, wie sie ihre Terminorganisation gestalten. „Hier obliegt es den Praxen, Lösungen anzubieten. Die KVN kann in die Terminorganisation nicht eingreifen, die Praxen arbeiten in freier unternehmerischer Tätigkeit“, so Menz.
Damit dürfte die Online-Terminvergabe in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet das mehr Flexibilität, für andere hingegen die Sorge, ohne digitale Kenntnisse den Zugang zur medizinischen Versorgung unnötig erschwert zu bekommen.
Kommentare zu diesem Artikel:
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.
