Wirtschaftsweiser Martin Werding hält die Warnungen vor einer Abschaffung der Minijobs für überzogen. In der aktuellen Debatte würden die möglichen Folgen stark dramatisiert, während er davon ausgeht, dass Beschäftigung und Arbeitsangebot eher profitieren könnten. Werding verweist darauf, dass vergleichbare Teilzeitstellen weiterhin möglich wären und für Betriebe nicht teurer ausfallen müssten.
Warnung vor „Panikmache“ in der Debatte
Der Wirtschaftsweise Martin Werding kritisiert die derzeitige öffentliche Diskussion um die Zukunft der Minijobs. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ warnt er davor, die möglichen Auswirkungen einer Abschaffung dieser Beschäftigungsform zu dramatisieren. „In der öffentlichen Debatte würden die möglichen Folgen einer Abschaffung der Minijobs weit überzeichnet und Sorgen geschürt“, sagte er dem „Handelsblatt“. Nach seiner Einschätzung würden die Jobs nicht verschwinden, weil Teilzeitjobs mit geringem Stundenumfang weiterhin jederzeit möglich seien.
Sozialbeiträge und Löhne im Vergleich
Für die Betriebe wären Teilzeitstellen mit einem Umfang wie den heutigen Minijobs nach den Berechnungen Werdings auch nicht teurer. Er verweist darauf, dass bei normaler Sozialversicherungspflicht 42 Prozent Sozialbeiträge fällig würden, von denen Arbeitgeber die Hälfte zahlen. Bei Minijobs zahlten sie dagegen pauschal 31 Prozent. Bei einer Umstellung solle daher der Bruttolohn um circa zehn Prozent angehoben werden, sonst sparten die Arbeitgeber sogar Kosten, meinte Werding gegenüber dem „Handelsblatt“. Diese Anhebung würde nach seinen Worten den Großteil des Verlustes der Arbeitnehmer ausgleichen, die dann 21 Prozent Sozialabgaben zahlen müssten.
Mehr Arbeitsangebot statt Rückgang der Jobs
Wer ein höheres Nettogehalt wolle, könne nach Auffassung Werdings problemlos eine Stunde pro Woche mehr arbeiten. Anders als derzeit seien Arbeitgeber und Arbeitnehmer dann nicht mehr durch die Einkommensgrenze für Minijobs eingeklemmt, sagte er dem „Handelsblatt“. Unterm Strich rechne er daher mit einer Erhöhung des Arbeitsangebotes durch eine Abschaffung der Minijobs. Zugleich wandte er sich gegen das verbreitete Argument, Minijobs böten eine besonders hohe Flexibilität: „Diese Flexibilität endet jäh an der Minijobgrenze“, so Werding gegenüber dem „Handelsblatt“.
