Nur 59 Prozent der Fernzüge pünktlich – Palla sieht „organisierte Verantwortungslosigkeit“
Die Deutsche Bahn bleibt mit ihrer Pünktlichkeit hinter den eigenen Zielen zurück. Im ersten Halbjahr 2026 waren nur 59 Prozent der Fernzüge pünktlich, wie die Bahn in ihrer Halbjahresbilanz mitteilte. Bahnchefin Evelyn Palla zeigte sich mit diesem Wert unzufrieden und betonte, dass in drei Vierteln der Fälle die Verspätungen unter 15 Minuten lagen. Dennoch sei dies kein guter Wert, wie sie der „Welt am Sonntag“ sagte. Für das laufende Jahr hatte sie ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent ausgegeben, das bisher verfehlt wird. Im Regionalverkehr lag die Pünktlichkeit bei 88 Prozent, wie die Zeit unter Berufung auf die Bahnbilanz berichtet.
Palla wirft Konzernführung organisierte
Palla übt scharfe Kritik am Management des Konzerns. Sie spricht von einer „organisierten Verantwortungslosigkeit“ in der Vergangenheit, bei der Verantwortung zwischen zentraler Verwaltung und operativer Ebene hin- und hergeschoben wurde. Entscheidungen seien oft zentral getroffen worden, ohne dass die Umsetzung in der Fläche konsequent verfolgt wurde, wie die Tagesschau zitiert. Zudem habe es bei Zielverfehlungen kaum Konsequenzen gegeben. „Man musste nur gut genug erklären, warum die Ziele nicht erreicht werden konnten. Damit kam man oft jahrelang durch“, so Palla.
Bahnchefin lobt Mitarbeiter als Helden der Eisenbahn
Die Bahnchefin betont jedoch, dass ihre Kritik nicht die operativen Mitarbeiter wie Zugbegleiter, Lokführer oder Gleisarbeiter treffe. Diese seien vielmehr „Helden“, die die Eisenbahn täglich am Laufen hielten. Schneller Verbesserungen bei der Pünktlichkeit kann Palla nicht versprechen. „Die Pünktlichkeit bleibt in diesem Jahr weiter schwierig, weil es im Netz einfach noch zu viele Störungen und zudem zu viele Baustellen gibt“, sagte sie. Erst bis 2035, zum 200-jährigen Jubiläum der Bahn, solle das Gröbste der Probleme überwunden sein.
Bahn verzeichnet erstmals seit sieben Jahren Gewinn
Trotz der Herausforderungen verzeichnete die Bahn erstmals seit sieben Jahren einen Gewinn von 150 Millionen Euro, wie das ZDF unter Berufung auf Finanzexpertin Barrett berichtet. Dem stehen jedoch Schulden in Höhe von 21,6 Milliarden Euro gegenüber. Palla hat mit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr einen Umbau des Konzerns eingeleitet, der unter anderem eine Verschlankung der Zentrale und eine Verlagerung von Verantwortung in die Fläche vorsieht. Zahlreiche Führungspositionen wurden bereits gestrichen.
Palla kritisiert mangelnde Leistungskultur der Bahnführung
Die Bahnchefin vergibt dem eigenen Unternehmen in Sachen Zuverlässigkeit die Schulnote 4 minus, insgesamt jedoch eine 3. „Wir werden oft nur an der Pünktlichkeit im Fernverkehr gemessen, das ist aber nur das halbe Bild“, betonte sie. Die Ursachen für die Probleme sieht sie vor allem in der mangelnden Leistungsbereitschaft der früheren Führungsetage. „Die Leistungskultur der Vergangenheit war für die Performance der Bahn nicht ausreichend, das wollen wir ändern“, so Palla.