Wie bringt man Kinder und Jugendliche wieder stärker in Bewegung – und schafft gleichzeitig mehr Integration und soziale Teilhabe? Im Osnabrücker Stadtteil Schinkel versucht das Projekt „Sport vernetzt: Bewegung im Quartier – vom Schinkel in die Stadt“ genau darauf Antworten zu finden. Dabei sollen nicht nur einzelne Sportangebote im Mittelpunkt stehen, sondern ein wachsendes Netzwerk aus Schulen, Kitas, Sportvereinen und Verwaltung, das sich seit 2024 für die Kinder und Jugendliche im Alltag direkt dort einsetzt, wo sie leben.
Bewegung dort, wo Kinder sind
„Kinder und Jugendliche müssen dort erreicht werden, wo sie sind – im Quartier“, erklärt Stefan Wessels von BaKoS – Die Osnabrücker Ballschule e.V. Gemeinsam mit Quartiersmanager Tom Herter verfolgt die Ballschule das Ziel, Kinder und Jugendliche im Schinkel stärker in Bewegung zu bringen und gleichzeitig soziale Herausforderungen im Stadtteil anzugehen. Denn gerade im Schinkel, wo die meisten der rund 13.000 Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 15 Jahren in Osnabrück leben, zeigen sich laut den Beteiligten viele Hürden: Sprachbarrieren, fehlende Informationen über Sportangebote oder finanzielle Schwierigkeiten erschweren vielen Familien den Zugang zu Bewegung und Vereinsleben. „Kinder wollen Sport machen – aber oft fehlen die Zugänge“, heißt es aus dem Projektteam. Genau dort setzt „Sport vernetzt“ an. Die Idee stammt ursprünglich aus Berlin, wo ALBA Berlin das Konzept entwickelte, um soziale Ungleichheiten im Sport abzubauen. „Das ist ein komplett neuer Ansatz – vernetzt zu denken und da anzusetzen, wo es wichtig ist: bei den Kleinsten“, sagt Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. Das unterschiedliche Akteure, die zum Teil keinen Bezug zum Thema Sport haben, gemeinsam an Lösungen arbeiten und ihre Perspektiven teilen, macht das Projekt zu etwas Besonderem. „Schritt für Schritt ist ein Netzwerk entstanden, das einfach weiter wächst“, beschreibt Stefan Wessels die Entwicklung.
Bildung und Bewegung gehören zusammen
Eine wichtige Rolle spielt auch die Universität Osnabrück. Prof. Dr. Benjamin Zander vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften betont die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts. „Bewegung und Bildung kommen tagtäglich zusammen“, sagt Zander. Das Institut mit rund 700 Studierenden wolle bewusst Verantwortung übernehmen: „Wir sind Teil der Stadtgesellschaft, zu der wir einen Beitrag leisten wollen.“ Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage: Was kommt wirklich bei den Kindern an? Die Antwort geht weit über den Sport hinaus. Bewegung fördert Persönlichkeitsentwicklung, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen. „Bildung und Bewegung hängen zusammen“, betont Zander deutlich. Wie das konkret aussieht, zeigen umgesetzte Projekte im Schinkel. So nehmen beispielsweise Kita-Kinder gemeinsam mit einer Grundschulklasse an Ballspielstunden in der Grundschule teil. Die Kinder sammeln dadurch positive Bewegungserfahrungen und werden bereits mit den Räumlichkeiten und Lehrkräften vertraut gemacht, was den Übergang in die erste Klasse erleichtern soll. Auch Spielplätze, Freiflächen und öffentliche Räume werden bewusst stärker genutzt. Ziel ist es, Bewegung selbstverständlich in den Alltag zu integrieren. Dabei entstehen Angebote, die auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind. „Alle haben unterschiedliche Ausgangspunkte. Deshalb müssen wir für jeden etwas schaffen, das passt“, erklärt Stefan Schröder Netzwerkkoordinator von Sport vernetzt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Leuphana Universität in Lüneburg. Auch der Landessportbund Niedersachsen unterstützt den Ansatz. Dort versteht man sich nicht nur als Vertreter der Sportvereine, sondern verfolgt auch das Ziel, soziale Benachteiligungen im Sport abzubauen und Kindern und Jugendlichen sichere Räume für Entwicklung zu schaffen.
Ein starkes Netzwerk
Der Erfolg im Schinkel sorgt inzwischen dafür, dass „Sport Vernetzt“ in Osnabrück ausgeweitet wird. Neu hinzu kommt der Stadtteil Eversburg, wo bereits eine Kindergartengruppe einmal pro Woche die Turnhalle einer Grundschule besucht und dort an Bewegungsangeboten teilnimmt. Unterstützt wird die Weiterentwicklung unter anderem durch eine Förderung der BKK Firmus. Finanziert wurde das Projekt im ersten Jahr außerdem durch das Förderprogramm „Gesundheit im Quartier“. Die Beteiligten sehen in „Sport vernetzt: Bewegung im Quartier – vom Schinkel in die Stadt“ weit mehr als ein Sportprojekt. Es gehe um Chancengleichheit, Integration und Zukunftsperspektiven. Denn Bewegung ist nicht nur Sport, Bewegung ist soziale Teilhabe und stärkt die Zukunft vieler Kinder und Jugendlichen in Osnabrück.
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