Vor dem Koalitionsgipfel zur Reformpolitik an diesem Mittwoch erhöhen führende SPD-Wahlkämpfer den Druck auf die Bundesregierung für eine umfassende Einkommensteuerreform. Berlins SPD-Landeschef Steffen Krach und NRW-Spitzenkandidat Jochen Ott fordern, kleine und mittlere Einkommen deutlich zu entlasten und Spitzenverdiener stärker zu beteiligen. Beide pochen darauf, dass die Union sich bewegt und eine groß angelegte Reform mitträgt.
SPD-Vertreter drängen auf umfassende Einkommensteuerreform
Berlins SPD-Landeschef Steffen Krach forderte im Vorfeld des Koalitionsgipfels eine weitreichende Neugestaltung der Einkommensteuer. „Die Menschen wissen, dass unser Land an vielen Stellen Reformbedarf hat, und sie erwarten von der Regierung, dass sie diesen angeht. Dazu zählt aus meiner Sicht jetzt vor allem eine echte Reform der Einkommensteuer, um endlich kleine und mittlere Einkommen zu entlasten“, sagte Krach dem „Spiegel“. Er erwarte, dass sich die Union bewege und sich nicht mehr gegen eine stärkere Belastung von Spitzenverdienern sperre. Das sei eine Frage der Gerechtigkeit und es helfe zugleich der Wirtschaft, wenn die große Mehrheit der Menschen endlich wieder mehr in der Tasche habe, so der Bürgermeisterkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September weiter.
Appell an Bundesregierung und Union
Auch der SPD-Spitzenkandidat für die NRW-Landtagswahl im kommenden Frühjahr, Jochen Ott, drängt auf eine weitreichende Lösung. „Die Einkommensteuerreform muss das zentrale Instrument sein, mit dem die Bundesregierung Berufstätigen und ihren Familien mehr finanziellen Spielraum verschafft“, sagte Ott dem „Spiegel“. Die SPD sei bereit, ein wirklich großes Einkommensteuerreformpaket auf den Weg zu bringen. Er erwarte von der Union, diesen Weg mitzugehen, fügte er hinzu.
Reform als Versprechen für bessere Zukunft
Ott verwies zugleich auf die Erwartungen in der Bevölkerung. „Die Menschen spüren, dass Veränderungen notwendig sind. Aber wenn man ihnen von Montag bis Sonntag nur sagt, dass man ihnen was wegnehmen will, entsteht dadurch kein gesellschaftlicher Aufbruch. Eine Reform muss immer auch ein Versprechen für eine bessere Zukunft sein“, so Ott.
