Es ist einer der schmerzhaftesten Abgänge dieses Sommers für den VfL Osnabrück: Lars Kehl, kreativer Kopf der Aufstiegsmannschaft und zweitbester Scorer hinter Top-Torjäger Robin Meißner, wechselt ablösefrei zum Zweitligisten SV Darmstadt 98. Den endgültigen Abschied von den Lila-Weißen vollzog der 24-Jährige am Wochenende mit sehr persönlichen Worten auf Instagram – und ließ die Fans der Bremer Brücke noch einmal an einer dreijährigen Reise voller Höhen und Tiefen teilhaben.
Auf seinem Instagram-Kanal wandte sich der 24-Jährige in folgenden Worten an die Anhänger:
Liebe VfLer, nach 3 Jahren heißt es für mich: Danke und auf Wiedersehen. In dieser Zeit habe ich viele Höhen und auch einige Tiefen erlebt. Das gehört zum Fußball dazu und hat mich als Spieler und als Mensch geprägt. Ich möchte mich bei allen bedanken, die diese intensive und unvergessliche Zeit so besonders gemacht haben – bei den Fans für eure Unterstützung, bei den Verantwortlichen, beim Team hinter dem Team, welches oft im Hintergrund alles möglich machte und natürlich bei meinen Mitspielern, ihr habt dafür gesorgt das ich mich in Osnabrück zuhause gefühlt habe. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich nehme viele schöne Erinnerungen und Freundschaften mit und wünsche dem VfL für die Zukunft nur das Beste. Danke für alles!💜⚽️
Wechsel-Drama mit drei Bewerbern: Wie Darmstadt das Rennen machte
Dass es überhaupt zu diesem Abschied kommen würde, war über Wochen alles andere als ausgemacht. Kehls Vertrag in Osnabrück lief zum 30. Juni 2026 aus, der VfL und der Spielmacher hatten die Tür für eine Verlängerung lange Zeit nicht vollends geschlossen. Doch parallel zum lila-weißen Werben tauchten auch andere Vereine auf der Bildfläche auf. Zweitligist VfL Bochum sowie Rot-Weiss Essen, das zuletzt in der Aufstiegsrelegation scheiterte und in der 3. Liga verbleibt, sollen sich nach Informationen von RevierSport intensiv um Kehl bemüht haben. RWE habe sich für seinen Wunschspieler im Offensivzentrum auch finanziell „enorm gestreckt“ und mehrere Verhandlungsrunden geführt.
Am Ende setzte sich aber der SV Darmstadt 98 durch. Der hessische Zweitligist stellte den Aufstiegshelden am Freitag (26. Juni) offiziell vor – wenige Tage vor seinem regulären Trainingsauftakt am Sonntag (28. Juni). Was den Ausschlag gab, erklärt Kehl in seinem ersten Statement nach dem Wechsel selbst. „Ich habe mir in den vergangenen Wochen einige Gedanken über meine Zukunft und den nächsten Schritt in meiner Karriere gemacht. Das beste Gefühl hatte ich relativ schnell bei Darmstadt, weil mich hier sowohl die sportliche Perspektive als auch der gesamte Verein sehr reizen“, wird der Mittelfeldmann bei seiner Vorstellung zitiert. Bochum hatte sich am Ende für Berkan Taz vom SC Verl entschieden, RWE ging trotz mehrerer Gespräche und nachgebesserter Angebote leer aus.
Vom Regisseur zur klaffenden Lücke: Was Kehl beim VfL hinterlässt
Was die Lila-Weißen mit Kehl verlieren, geht weit über reine Zahlen hinaus. Der 24-Jährige war in den vergangenen beiden Spielzeiten die kreative Offensivkraft an der Bremer Brücke schlechthin. Spielmacher, Regisseur, Vorlagengeber – Kehl vereinte all diese Rollen in einer Person und prägte mit seinem feinen Fuß und seiner Spielintelligenz das Offensivspiel der Schultz-Elf wie kein Zweiter. In 70 Drittliga-Pflichtspielen für den VfL erzielte der ehemalige Juniorennationalspieler 15 Tore und bereitete 18 weitere Treffer vor. Allein in der zurückliegenden Aufstiegssaison kommt er auf starke 20 Scorerpunkte aus 36 Partien und war damit zweitbester VfL-Scorer hinter Top-Torjäger Robin Meißner – die kongeniale Kreativzentrale neben dem Strafraumspieler.
In Darmstadt wartet nun die nächste Karriere-Etappe in einer höheren Spielklasse. Die Lilien-Verantwortlichen freuen sich entsprechend über den Coup. „Lars ist ein Spieler, der aus dem offensiven Mittelfeld heraus viel Torgefahr ausstrahlt und den finalen Pass spielen kann. Das beweisen auch seine eindrucksvollen Zahlen aus den beiden vergangenen Spielzeiten in Osnabrück. Wir sind davon überzeugt, dass er seine Stärken in unser Spiel einbringen wird und freuen uns darüber, dass er sofort mit uns in die Vorbereitung starten kann“, wird Darmstadts Sportdirektor Paul Fernie zitiert.
Mit Kehl verliert der VfL den nächsten zentralen Pfeiler seiner Aufstiegsmannschaft – und zwar denjenigen, der das Offensivspiel über zwei Spielzeiten am stärksten geprägt hat. Nach den Karriere-Endern Robert Tesche und Bashkim Ajdini, dem Wechsel von Eigengewächs Kevin Wiethaup zum Karlsruher SC sowie dem Abschied des gebürtigen Nordhorners Yigit Karademir gibt mit Kehl der bislang prominenteste Transfer-Abgang dem Kader von Cheftrainer Timo Schultz ein deutliches Stück Identität ab. Besonders bitter: Den Sprung in die 2. Bundesliga, den Kehl als Aufsteiger eigentlich auch mit dem VfL hätte machen können, geht er nun mit einem direkten Konkurrenten.
