Seit Ende Januar hat kein Bundesland von der Bundespolizei ein Passersatzpapier erhalten, um ausreisepflichtige Syrer abschieben zu können. Gleichzeitig sind laut Bundespolizei mehr als 11.000 Syrer in Deutschland ausreisepflichtig, während Rückführungen nach Syrien erst seit kurzem überhaupt wieder stattfinden. Ein interner Bericht verweist zudem auf anhaltende Schleusungen auf dem Luftweg seit der Wiederanbindung syrischer Flughäfen an den internationalen Flugverkehr. Die Länder verweisen beim Aufbau tragfähiger Rückführungswege auf den Bund.
Keine Passersatzpapiere seit Ende Januar
Seit Ende Januar hat kein Bundesland von der Bundespolizei ein Passersatzpapier erhalten, um einen ausreisepflichtigen Syrer abschieben zu können. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Beamte der Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern. Eine entsprechende Anfrage wollte das Bundespolizeipräsidium in Potsdam, das Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) untergeordnet ist, demnach weder dementieren noch bestätigen.
Wie die Bundespolizei der „Welt am Sonntag“ mitteilte, sind rund 11.100 Syrer in Deutschland ausreisepflichtig – zum Stand Ende März. Nachdem seit 2011 kein einziger der rund eine Million syrischen Asylzuwanderer zurückgebracht worden war, gelangen unter Minister Dobrindt im Dezember 2025 und im Januar dieses Jahres die ersten vier Abschiebungen in das sich langsam vom Bürgerkrieg erholende Land. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vor einem Jahr angekündigt: Nach Syrien werde man abschieben – beginnend mit Straftätern und Gefährdern.
Bund übernimmt Federführung bei Rückführungen
Bayerns Innenministerium teilte der „Welt am Sonntag“ mit, die Organisation von Rückführungen nach Syrien unterscheide sich derzeit von regulären Verfahren vor allem dadurch, dass der Bund in der Anfangsphase für den gesamten Prozess einschließlich der Passersatzpapierbeschaffung beim Herkunftsstaat die Federführung übernommen habe, um tragfähige Rückführungswege aufzubauen.
Laut Roman Poseck (CDU), dem Innenminister Hessens, ist von den dort 533 ausreisepflichtigen Syrern derzeit keine Person kurzfristig rückführbar, weil Passersatzdokumente zum Zweck der Rückführung im Jahr 2026 von der syrischen Seite nicht ausgestellt worden seien. Sein Land sei gut auf regelhafte Rückführungen nach Syrien vorbereitet. Poseck sagte der „Welt am Sonntag“, er könne die Bundesregierung nur ermutigen, in direkten Gesprächen mit der Regierung in Syrien dafür die Voraussetzungen zu schaffen.
Asylanträge und Schleusungen auf dem Luftweg
3.850 Syrer stellten im laufenden Jahr bis Ende April Asylerstanträge in Deutschland. Laut einem vertraulich eingestuften Bericht des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration vom Februar, aus dem die „Welt am Sonntag“ zitiert, sind seit der Wiederanbindung syrischer Flughäfen an den internationalen Flugverkehr 2025 anhaltende Schleusungen auf dem Luftweg belegt – insbesondere durch Direktflüge der europäischen Fluggesellschaften Dan Air und Air Mediterranean nach Rumänien beziehungsweise Griechenland. „Nach hier vorliegenden Informationen ist die Einrichtung von Direktflugverbindungen nach Deutschland seitens der Lufthansa AG, im Nachgang zu entsprechenden Erkundungsmissionen, bereits in konkreter Planung“, heißt es in dem internen Bericht zur illegalen Migration.
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