US-Präsident streicht Impfungen gegen Hepatitis B und Grippe – WHO widerspricht Autismus-These
US-Präsident Donald Trump hat per Dekret die Impfempfehlungen für Kinder in den USA deutlich reduziert. Künftig sollen nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlungen gelten, während Schutzimpfungen gegen Hepatitis B, Covid-19 und Grippe nicht mehr pauschal für alle Kinder empfohlen werden. Eltern können sich jedoch weiterhin für alle Impfungen entscheiden, wie Trump bei der Unterzeichnung im Weißen Haus betonte. Die Kosten sollen weiterhin von Versicherungen übernommen werden, wie n-tv und t-online berichten.
Trump beruft sich auf widerlegte Impfmythen
Trump begründete die Entscheidung unter anderem mit der Behauptung, Kombi-Impfstoffe könnten Autismus auslösen. Auf Nachfrage räumte er ein, sich auf unbewiesene Thesen zu stützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) widerspricht dieser These und betont, es gebe keinerlei wissenschaftliche Belege für einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC sieht keinen Nutzen in der Aufteilung des MMR-Impfstoffs gegen Masern, Mumps und Röteln, wie der Spiegel berichtet.
USA drohen Bundesstaaten mit Klagen zu Impfregeln
Die neue Anordnung setzt einen Kurs fort, den die Regierung bereits seit Monaten verfolgt. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hatte Anfang des Jahres versucht, den nationalen Kinderimpfplan von 17 auf elf Krankheiten zu reduzieren. Ein Bundesgericht stoppte diese Pläne im März vorläufig, nachdem Ärzteverbände dagegen geklagt hatten. Die aktuelle Anordnung ändert zwar nicht automatisch die geltenden Impfempfehlungen oder Schulimpfpflichten, die in den USA von den Bundesstaaten festgelegt werden. Trump wies das Justizministerium jedoch an, rechtlich gegen Bundesstaaten vorzugehen, deren Regeln nach Auffassung der Regierung Impfausnahmen behindern.
Masern-Epidemie trotz Trumps Impfpolitik
Trotz der neuen Richtlinien betont die US-Regierung, hohe Impfquoten anzustreben – allerdings durch Information und freiwillige Entscheidungen der Eltern statt durch staatliche Vorgaben. In den USA sind die Masernfälle jedoch auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Laut CDC wurden 2026 bereits 2318 Fälle registriert, mehr als im gesamten Vorjahr. Experten führen den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück, die in einigen Bundesstaaten unter 90 Prozent liegen.
USA gegen Impfpflicht – Europa als Vorbild
Trump und Kennedy verwiesen darauf, dass europäische Länder hohe Impfquoten ohne umfassende Schul-Impfpflichten erreichen. Tatsächlich setzen viele europäische Staaten auf freiwillige Programme, in einigen Ländern wie Deutschland gibt es jedoch Pflichtimpfungen, etwa gegen Masern für Kitas und Schulen. Die US-Regierung argumentiert, sie wolle Eltern mehr Entscheidungsfreiheit geben, während Gesundheitsexperten vor den Folgen sinkender Impfquoten warnen.