Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat die schwarz-rote Koalition eindringlich davor gewarnt, die geplante Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag tatsächlich umzusetzen. Sie sieht darin den Versuch, von ungelösten wirtschaftspolitischen Problemen abzulenken, und fordert die Regierung auf, die Kritik aus der Praxis ernst zu nehmen.
Lang warnt vor „Schnapsidee“ bei Krankschreibung ab Tag eins
Ricarda Lang kritisierte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben) die Pläne der schwarz-roten Koalition für eine Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag deutlich. „Wenn die Regierung nicht komplett den Kontakt zur Realität verloren hat, dann wird sie das nicht beschließen, nur um davon abzulenken, dass die Regierung auf die eigentlichen Probleme der Wirtschaft keine Antwort hat“, sagte Lang den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben).
Die Grünen-Politikerin schilderte zugleich ihre eigene Erfahrung mit Koalitionsverhandlungen. Sie kenne die Situation, dass man nach langen Verhandlungen im Koalitionsausschuss irgendwann „im Tunnel“ sei und sich einigen müsse, sagte Lang, die als Grünen-Chefin Teil der Ampel-Regierung war.
Kritik aus der Praxis als Maßstab
Lang verwies auf die Reaktionen von Betroffenen. „Wenn danach aber alle Betroffenen aus der Praxis sagen, das führt zu mehr Krankheitstagen, nicht weniger – dann dürfen Partei- und Koalitionslogik nicht dazu führen, dass so eine Schnapsidee trotz allem im Bundestag beschlossen wird“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben).
Sowohl für Patienten als auch für Ärzte sieht Lang Nachteile in der geplanten Regelung. Sowohl für Patienten, „die sich nicht angeschlagen in Arztpraxen quälen müssten“, als auch für ohnehin überlastete Ärzte wäre es besser, wenn die Regierung von diesem Plan Abstand nimmt, so Lang gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben).
Appell an Friedrich Merz
Mit Blick auf CDU-Chef Friedrich Merz verband Lang ihre Kritik mit einem konkreten Vorschlag. „Ich würde Friedrich Merz wirklich empfehlen, mal zehn Minuten mit einem Hausarzt zu telefonieren, bestenfalls einem, der nicht nur Privatpatienten betreut“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). „Es wäre ein gewinnbringendes Gespräch.“
