NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) dringt auf ein Textilgesetz, das Hersteller an den Entsorgungskosten für Kleidung beteiligt. Hintergrund sind wachsende Mengen an Alttextilien und eine sinkende Qualität, die Kommunen und gemeinnützige Sammler finanziell und logistisch überfordert. Besonders sogenannte Fast Fashion verschärft laut Landesumweltamt und Bundesumweltministerium die Lage deutlich.
Krischer fordert Neuordnung der Verantwortung
NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) warnt vor einer Überlastung des bestehenden Systems zur Sammlung von Altkleidern und drängt auf ein bundesweites Textilgesetz. Die Altkleidersammlung gerate zunehmend unter Druck, sagte Krischer der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Mehr Mengen, schlechtere Qualität und viele Stücke seien nicht mehr wiederverwendbar. Das bringe vor allem Kommunen und gemeinnützige Sammler an ihre Grenzen.
„Ohne eine Neuordnung der Verantwortung droht das bestehende Sammelsystem wirtschaftlich zu kippen“, sagte Krischer der „Rheinischen Post“. Die Hersteller müssten hier stärker in die Pflicht genommen werden. Sie seien für die Textilien und auch deren Entsorgung und Recycling mit verantwortlich. Aktuell trügen vor allem Sammler und Kommunen die Kosten und Risiken. „Das muss sich ändern. Die Hersteller müssen an den Kosten beteiligt werden“, sagte Krischer der „Rheinischen Post“.
Fast Fashion als Belastung für Sammelsysteme
Als besonders problematisch gilt nach Angaben der „Rheinischen Post“ die sogenannte „Fast Fashion“: günstig produzierte Kleidung, die Verbraucher rasch wieder entsorgen wollen, die sich vielfach nicht gut fürs Second-Hand-Geschäft eignet und die bei Textilsammlungen in großen Mengen anfällt. Diese Entwicklung verschärft den Druck auf die Altkleidersammlungen zusätzlich.
Deutlich gestiegene Alttextilmengen in NRW
Wie sehr die Mengen an textilen Abfällen angewachsen sind, veranschaulichen Zahlen, die die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Daten aus dem Landesumweltamt nennt. Demnach haben öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger in NRW im Jahr 2012 noch 16.184 Tonnen Alttextilien getrennt gesammelt. 2024 kamen die Entsorger demnach nach vorläufigen Daten auf 36.145 Tonnen. Was von karitativen oder gewerblichen Akteuren gesammelt wurde, taucht in dieser Statistik nicht auf.
Das Bundesumweltministerium hat im März ein „Eckpunktepapier zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien“ vorgelegt, das zur Grundlage für ein bundesweites Textilgesetz werden soll, berichtete die „Rheinische Post“.
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