Ukrainische Hauptstadt unter massivem Beschuss – Selenskyj fordert mehr Abwehrraketen
Bei einem massiven russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind in der Nacht zum Donnerstag mindestens 14 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Wie der ukrainische Katastrophenschutz mitteilte, trafen die Angriffe zwölf Orte in mehreren Stadtbezirken, darunter Darnyzkyj, Swjatoschynskyj und Solomjanskyj. Dabei wurden Wohngebäude, eine medizinische Einrichtung und eine Bildungseinrichtung beschädigt. Im Bezirk Solomjanskyj wurden die beiden obersten Stockwerke eines neunstöckigen Wohnhauses zerstört, in weiteren Stockwerken brachen Brände aus. In zwei Wohngebäuden und einem Schutzraum einer Schule waren Menschen eingeschlossen. Die ukrainische Luftwaffe berichtete von Dutzenden ballistischen Raketen, Marschflugkörpern, Hyperschallraketen und fast 170 Drohnen, die Russland eingesetzt habe. Rund 90 Prozent der Drohnen sowie die meisten Marschflugkörper seien abgefangen worden, doch die schnelleren ballistischen Raketen hätten allesamt eingeschlagen und schwere Schäden verursacht. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte den Folgetag zum Trauertag und rief zur Trauerbeflaggung auf kommunalen und privaten Gebäuden auf.
Worum es jetzt geht
Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte unterdessen die westlichen Verbündeten scharf. Er warf ihnen vor, durch die Verzögerung von Lieferungen an Flugabwehrraketen Menschenleben zu gefährden. Das Patriot-System sei das Einzige im ukrainischen Arsenal, das ballistische Raketen abwehren könne, doch die Bestände an Abfangraketen seien noch nicht aufgefüllt, schrieb Selenskyj auf Telegram. Russland werde nicht ernsthaft über Frieden verhandeln, solange die Ukraine ihre Städte nicht verteidigen könne. Die tagesschau berichtet, dass Selenskyj betonte, die Welt zeige nicht mehr die notwendige Reaktion auf die russischen Angriffe.
Atomkraftwerk Saporischschja ohne Strom
Parallel dazu meldete die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), dass das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja seine letzte verbleibende externe Stromleitung verloren habe. Notstromdieselgeneratoren hätten die Versorgung lebenswichtiger Sicherheitssysteme übernommen. Die Ursache des Stromausfalls am nördlichen Ufer des Dnipro könne aufgrund militärischer Aktivitäten nicht ermittelt werden, wie die IAEA mitteilte.
Russische Drohne über rumänischem Gasfeld abgeschossen
In Rumänien wurde unterdessen eine mit Sprengstoff beladene Marine-Drohne nahe des Gasfelds Neptun Deep im Schwarzen Meer von einem F-16-Kampfjet abgeschossen. Der rumänische Präsident Nicusor Dan machte Russland für den Vorfall verantwortlich und verurteilte die „Eskalation solcher verantwortungslosen Zwischenfälle“, wie der BR berichtet. Die Drohne stamme nicht aus der Ukraine, bestätigte das rumänische Verteidigungsministerium.