Tennessee stoppt weitere Hinrichtungen nach Pannen bei Vollstreckung
Die zum Tode verurteilte Christa Pike hat in Tennessee eine Hinrichtung durch Giftspritzen überlebt. Wie der Tagesspiegel und die Süddeutsche Zeitung berichten, wurden ihr zwei tödliche Injektionen verabreicht, doch sie blieb am Leben. Zeugen berichteten, Pike habe nach der Verabreichung der Mittel noch geschnarcht und sogar gesprochen. Erst nach etwa 40 Minuten sei sie in ein Krankenhaus gebracht worden, wo sie sich laut ihren Anwälten in kritischem Zustand befindet. Die Verteidigung sprach von „grausamen und qualvollen“ Umständen und forderte die Aufhebung der Todesstrafe zugunsten einer lebenslangen Haftstrafe. Die Anwälte beschrieben zudem technische Probleme: Es habe sieben Einstiche an einem Arm gegeben, und eine Nadel sei beim Herausziehen verbogen worden. Zudem seien Blasen und Verbrennungen an den Einstichstellen aufgetreten.
Tennessee stoppt Hinrichtungen nach Pannenfall
Richter Kyle Hixson bestätigte, dass Pike nicht für tot erklärt worden sei und die Justizvollzugsbehörde eine Notfallversorgung angeordnet habe, wie die Tagesschau berichtet. Die Gefängnisbehörde betonte, alle rechtlich vorgeschriebenen Schritte seien eingehalten worden. Das verwendete Mittel Pentobarbital sei in der Vergangenheit stets wirksam gewesen. Dennoch ordnete Gouverneur Bill Lee eine unabhängige Untersuchung an und setzte alle weiteren Hinrichtungen in Tennessee für dieses Jahr aus. Experten wie das Death Penalty Information Center bezeichneten den Vorfall als „beispiellos“ und ohne Präzedenzfall in der jüngeren Geschichte.
Todesurteil gegen psychisch kranke Frau vollstreckt
Pike war 1996 für den Mord an einer 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten sie und zwei weitere Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee gefoltert und getötet. Ihre Anwälte argumentieren, Pike habe unter psychischen Problemen gelitten, die auf langjährigen sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit zurückgingen. Ein Berufungsgericht hatte kurz vor der Hinrichtung noch einen Vollstreckungsstopp verhängt, doch der Supreme Court setzte diesen außer Kraft. Die Mutter des Opfers, die der Hinrichtung beiwohnte, bezeichnete die Szenen als „Chaos“ und warf den Verantwortlichen Versagen vor.
Todesstrafe-Debatte nach gescheiterter Hinrichtung neu
Die Diskussion um die Todesstrafe in den USA erhielt durch den Fall neue Nahrung. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk kritisierte die Praxis und forderte Gnade für Pike. Auch Amnesty International betonte, es gebe „keine humane Hinrichtungsmethode“ und forderte die Abschaffung der Todesstrafe. In den USA ist die Zahl der Hinrichtungen seit 2025 deutlich gestiegen, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf das Death Penalty Information Center berichtet.