Beschäftigte wären bereit, mehr zu arbeiten – wenn die Bedingungen stimmen.
Die Mehrheit der Erwerbstätigen in Deutschland ist laut einer aktuellen Umfrage bereit, Überstunden zu leisten – allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das geht aus einer Erhebung des Instituts Appinio im Auftrag der Jobseite Indeed hervor, wie die taz und ad-hoc-news berichten. Mehr als die Hälfte der 1.000 Befragten gab an, mehr arbeiten zu wollen, knapp 20 Prozent davon sogar dauerhaft. Bereits jetzt arbeiten fast drei Viertel der Teilnehmenden mehr Stunden, als in ihren Verträgen vereinbart ist.
Mehrarbeit scheitert an Privatleben und Gesundheit
Wer keine zusätzliche Arbeitszeit übernehmen möchte, nennt vor allem das Privatleben, die eigene Gesundheit, fehlende finanzielle Anreize und familiäre Verpflichtungen als Gründe. Die Umfrage zeigt damit, dass die Bereitschaft zu Mehrarbeit stark von individuellen Bedürfnissen und äußeren Umständen abhängt. Indeed-Expertin Virginia Sondergeld betonte, dass eine reine Fokussierung auf längere Arbeitszeiten in der Debatte um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu kurz greife. Vielmehr seien viele Beschäftigte bereit, viel zu leisten, sofern sie selbst von ihrer Mehrarbeit profitieren könnten.
Personalmangel und Bürokratie bremsen Produktivität
Als wirksame Anreize sehen die Befragten ein attraktiveres Grundgehalt, steuerliche Vorteile, flexiblere Arbeitszeiten und Bonuszahlungen. Im Arbeitsalltag fühlen sich viele jedoch durch strukturelle Hindernisse ausgebremst. Als Hauptursachen werden akuter Personalmangel, unnötige Bürokratie, langsame Prozesse, unklare Zielvorgaben, mangelhafte Führung sowie zu viele Besprechungen und veraltete Technik genannt. Diese Faktoren erschweren es, während der Arbeitszeit mehr zu schaffen, wie IT Boltwise und ad-hoc-news übereinstimmend berichten.
Längere Arbeitszeiten stoßen auf breite Ablehnung
Die politische Debatte um längere Arbeitszeiten stößt bei vielen Beschäftigten auf Unverständnis. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, davon demotiviert zu sein, während rund ein Drittel sich angespornt fühlt. Sondergeld verwies darauf, dass die Erhöhung der Arbeitsstunden nur ein Faktor sei, um die Wirtschaftsleistung zu steigern. Ebenso wichtig sei eine höhere Produktivität, die durch Investitionen in Infrastruktur, Technologie – auch im Bereich Künstliche Intelligenz – und Entbürokratisierung erreicht werden könne. Im besten Fall würden Beschäftigte dadurch von zeitintensiven Routineaufgaben entlastet, was Motivation und Arbeitszufriedenheit steigern könne.
Mehrarbeit braucht klare Strukturen und Anreize
Die Umfrage basiert nicht auf einer Zufallsstichprobe der Gesamtbevölkerung, sondern wurde bewusst quotiert, um Vergleiche zwischen Frauen und Männern zu ermöglichen. Die Ergebnisse zeigen damit, dass die Bereitschaft zu Mehrarbeit nicht nur von finanziellen Anreizen abhängt, sondern auch von einer besseren Arbeitsorganisation und klaren Rahmenbedingungen. Für Unternehmen und Politik ergibt sich daraus die Aufgabe, zusätzliche Arbeitszeit mit ausreichenden Gegenleistungen und verbesserten Strukturen zu verknüpfen.