Europas größter Hersteller von Luftverteidigungs- und Lenkflugkörpersystemen, MBDA, signalisiert gegenüber Deutschland seine Bereitschaft, weitreichende Raketen für sogenannte Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten zu entwickeln. Ziel solcher Systeme ist es, militärische Ziele weit im gegnerischen Hinterland angreifen und zerstören zu können. Hintergrund sind nach Angaben des Unternehmens wachsende Sicherheitsbedenken in Europa und Zweifel an der langfristigen Verfügbarkeit amerikanischer Systeme.
Pläne für europäische Deep-Strike-Fähigkeiten
Produktlinienleiter Deep Strike bei MBDA Paul Houot sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe): „Es ist notwendig, die europäischen Kapazitäten kurzfristig zu stärken“. Der Konzern verweist dabei auf den Marinemarschflugkörper Missile de Croisiere Naval (MdCN), der nach Unternehmensangaben Europas derzeit einziges Produkt für Deep-Precision-Strike-Operationen ist und leistungsmäßig mit amerikanischen Tomahawks vergleichbar sein soll. MBDA treibt nach eigenen Angaben derzeit in Kooperation mit dem französischen Staat die Weiterentwicklung des MdCN voran.
Der Vorschlag von MBDA an die europäischen Staaten, die an einer Alternative zum US-System interessiert sind, bestehe darin, sich Frankreich bei der Weiterentwicklung des MdCN anzuschließen, sagte Houot der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es handele sich um eine eigenständige europäische Lösung, die ohne Genehmigung der USA produziert und exportiert werden könne.
Geplante Landvariante mit großer Reichweite
Eine Zusammenarbeit sei nach Angaben von Houot auch bei der Entwicklung der geplanten Variante denkbar, dem sogenannten Land Cruise Missile. Diese bodengestützte Rakete soll demnach im Jahr 2029 einsatzbereit sein und Ziele in einer Entfernung von „weit mehr“ als 1.000 Kilometern erreichen können. „Dies wäre derzeit die einzige europäische Rakete mit einer solchen Durchschlagskraft und Reichweite“, so Houot gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
„Wir stellen heute ein reges Interesse seitens der europäischen Länder und der Nato am MdCN und seiner Landvariante fest, da Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit der amerikanischen Bestände bestehen“, sagte der MBDA-Manager weiter der Zeitung. Auch andere Akteure bringen sich in den Verhandlungen um ein neues Deep-Strike-Programm in Stellung, das auf dem deutsch-französischen Ministerrat am Freitag auf den Weg gebracht werden könnte.
Weitere Industriepartner in den Startlöchern
Dazu gehört der Raketenhersteller Ariane Group. „Wir führen mit Frankreich und Deutschland Gespräche über die mögliche Entwicklung konventioneller ballistischer Raketen“, betätigte Vincent Pery, der die Verteidigungsprogramme bei Ariane Group leitet, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Reichweite könne laut Pery zwischen 1.000 und 2.500 Kilometer betragen. „Wenn es eine politische Entscheidung gibt, könnten wir konventionelle ballistische Raketen auch in Deutschland herstellen“, so Pery in der FAZ.
