Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und hybrider Bedrohungen in Europa halten Deutschlands Städte und Gemeinden an ihren Partnerschaften mit russischen Kommunen fest. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter rund 100 betroffenen Kommunen. Offizielle Kontakte sind zwar ausgesetzt, doch formal bestehen die Verbindungen weiter.
Ruhestellung statt Beendigung
Seit Beginn des Krieges hat nur eine Kommune die Partnerschaft offiziell beendet. Alle anderen haben die Verbindungen nach eigenen Angaben ruhend gestellt. Offizielle Reisen, Empfänge und Austauschprogramme finden nicht mehr statt.
Der Deutsche Städtetag hatte bereits im März 2022 empfohlen, die Partnerschaften nicht aufzukündigen, sondern ruhen zu lassen.
Informelle Kontakte und politische Reaktionen
39 Prozent der Kommunen berichten von informellen Kontakten seit Kriegsbeginn, etwa auf Verwaltungsebene oder über Vereine. In Münster gab es bis Ende 2022 nach Angaben der Stadt noch alle drei Monate Videogespräche mit der Partnerstadt Rjasan; inzwischen findet der Austausch etwa zweimal jährlich statt.
53 Prozent der Kommunen verurteilten den Angriffskrieg in Schreiben an ihre Partnerstädte. 17 Prozent erhielten eine Antwort, die teils Putin-treue Formulierungen enthielt, wie Dresden mitteilte. Tübingen berichtete, aus der Partnerstadt sei als Bedingung für eine Wiederaufnahme des Kontakts die Beseitigung des Nazismus in Europa genannt worden.
Zukunft der Partnerschaften und lokale Kritik
Für den Fall einer Friedenslösung wollen 42 Prozent der Kommunen ihre Partnerschaften wieder aktiv aufnehmen, darunter Großstädte wie Stuttgart, Dresden, Essen oder Aachen. Nur zwei Kommunen lehnen dies ab, die übrigen sind unentschlossen. Auch über russisch-deutsche Partnervereine bestehen Kontakte fort: Ehrenamtliche in fünf Kommunen empfingen laut Umfrage nach Kriegsbeginn Besuch aus ihren Partnerstädten, und Mitglieder der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen reisten dem RND zufolge im Mai 2024 nach Gatschina.
Kritik an den formal fortbestehenden Verbindungen kommt aus der Opposition: In Hamburg und Düsseldorf scheiterten 2026 Anträge von CDU und FDP, die Partnerschaften vollständig zu beenden. Befürworter betonen, die Bürgerverbindungen müssten aufrechterhalten werden. 25 Prozent der Kommunen haben seit 2022 zudem eine neue Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt geschlossen oder bestehende Verbindungen ausgebaut.