Zwei interne Brandbriefe an die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla stellen die Führung des AfD-Landesverbands Baden-Württemberg in ein kritisches Licht. In den Schreiben erheben ein scheidender Landtagsabgeordneter und mehrere langjährige Parteimitglieder schwere Vorwürfe gegen die Landesführung um Markus Frohnmaier und Emil Sänze. Nach einem Bericht des „Spiegel“ geht es unter anderem um den Vorwurf eines Bruchs mit Rechtsstaatlichkeit, Machtkonzentration und mangelnder Transparenz.
Vorwürfe des scheidenden Landtagsabgeordneten Klos
Der erste Brandbrief stammt laut „Spiegel“ von dem scheidenden AfD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Klos. Klos zeichnet demnach das Bild einer Partei, die mit Rechtsstaatlichkeit und innerparteilicher Demokratie gebrochen habe. Er wirft der Landesführung um Markus Frohnmaier und Emil Sänze vor, Kritiker mit Parteiausschlussverfahren mundtot zu machen.
Klos soll dem Bericht zufolge von „Säuberungsaktionen wie im Totalitarismus“, „innerparteilichen Goebbels-Methoden“ und „sektenartigen Zuständen“ sprechen („Spiegel“). Führende Funktionäre seien „offensichtlich inkompetent“, schreibt Klos. Sollten sie jemals Regierungsverantwortung übernehmen, wäre „ein Chaos für Deutschland die Folge“.
Klos saß zehn Jahre für die AfD im Landtag. Er war Gründungsmitglied des Landesverbandes und von 2015 bis 2017 stellvertretender Landessprecher der AfD Baden-Württemberg. Bereits vor einigen Wochen wandte er sich mit Vorwürfen gegen Frohnmaier an die Parteichefs.
Zweites Schreiben kritisiert Machtstrukturen und Finanzen
Das zweite, sechsseitige Schreiben stammt nach Angaben des „Spiegel“ von mehreren langjährigen Parteimitgliedern aus zwei Kreisverbänden im Südwesten. Die Unterzeichner beklagen demnach vor allem Machtkonzentration, Vetternwirtschaft und mangelnde Transparenz bei Finanzen und Personalentscheidungen.
Sie sprechen laut „Spiegel“ von einer Entwicklung „von der Basisdemokratie zur autokratischen Funktionärspartei“, von „Machtcliquen“, „Beutegemeinschaften“ und einer „Kultur der skrupellosen Selbstbedienung“. Zudem fordern sie eine unabhängige Überprüfung der Landesfinanzen und der umstrittenen Erbschaft Ludwigsburg, die seit Jahren parteiinterne Konflikte auslöst.
Frohnmaier mit Rekordergebnis bestätigt
Die Anwürfe schaden Landeschef Markus Frohnmaier bisher aber offenbar nicht. Mit mehr als 91 Prozent der Stimmen bestätigte ein Landesparteitag ihn am Wochenende im Amt – dem besten Ergebnis eines AfD-Landesvorsitzenden jemals in Baden-Württemberg, wie der „Spiegel“ berichtet.
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