Die Innenministerkonferenz (IMK) will vorerst keine neuen Maßnahmen gegen Ausschreitungen in Fußballstadien beschließen. Ein Konzept für eine bessere Umsetzung des Pyrotechnik-Verbots liegt nicht vor, obwohl es ursprünglich zur Sitzung in Hamburg vorgelegt werden sollte. Stattdessen wird das Thema Pyrotechnik auf die Herbstkonferenz vertagt, wie aus einer Beschlussvorlage hervorgeht, über die der "Spiegel" berichtet.
Pyrotechnik-Debatte auf Herbst vertagt
Die Innenministerkonferenz, die am Mittwoch in Hamburg zusammentrifft, wird laut der Beschlussvorlage vorerst keine weiteren Schritte gegen Ausschreitungen in Fußballstadien beschließen. Laut „Spiegel“ soll das Thema Pyrotechnik auf die kommende Herbstkonferenz verschoben werden. Daran ändern auch die Vorgänge beim DFB-Pokalfinale im Mai nichts, das wegen gezündeter Bengalos auf den Rängen für fünf Minuten unterbrochen werden musste.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kritisierte im „Spiegel“, dass der Schiedsrichter das Endspiel nicht abgebrochen hatte. Er sagte dem Magazin, er wäre für den Abbruch gewesen, weil manche Leute es nur so verstehen würden, dass sie eine Grenze überschreiten.
Arbeitsgruppe ohne fertiges Konzept
Ursprünglich sollte zur Innenministerkonferenz ein Konzept für eine bessere Umsetzung des Pyro-Verbots in Stadien vorliegen, das die von der IMK eingesetzte Arbeitsgruppe „Fußball ohne Gewalt“ erstellen sollte. In dieser Arbeitsgruppe sind neben den Ministerien auch der DFB, der Ligaverband DFL und Fanprojekte vertreten. Statt eines Konzepts heißt es nun im Beschluss lediglich, in der Arbeitsgruppe sei ein „konstruktiver Austausch über eine Ahndung von Verstößen“ im Gange.
Hintergrund der Verzögerung dürfte neben Fanprotesten auch ein vertraulicher Bericht der Arbeitsgruppe sein. Demnach ist Pyrotechnik zwar „eine der größten Sicherheitsherausforderungen in Fußballstadien“ und „die konsequente Sanktionierung ein zentrales Anliegen“, es gebe jedoch keine einzelne Maßnahme oder Verantwortlichen, die das Problem allein lösen könnten. „Die bisherigen Geldstrafen zeigen oft nicht die gewünschte Wirkung“, heißt es dort weiter. Auch Pilotprojekte mit Pyrotechnik-Detektoren hätten keine befriedigenden Ergebnisse gebracht.
Reul wirft Vereinen mangelndes Engagement vor
NRW-Innenminister Reul zeigte sich laut „Spiegel“ mit den Fortschritten im Kampf gegen Gewalt im Fußball insgesamt unzufrieden. Das Thema begleite ihn seit neun Jahren als Minister, er habe nicht den Eindruck, dass man wirklich vorankomme. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, insbesondere die Vereine täten zu wenig.
„Es gibt ein glasklares Verbot von Pyrotechnik, also müssen die Vereine verpflichtet werden, die Kontrollen zu verschärfen“, sagte Reul dem „Spiegel“. Die Menge an Bengalos, die auf den Tribünen gezündet würden, sei enorm groß. Das passe nicht zu den Entschuldigungen der Clubs, dass die Fackeln kaum zu finden seien, weil sie hauteng, zum Teil sogar in Körperöffnungen einzeln ins Stadion geschmuggelt würden. Es sei ein Unding, dass es in einigen Arenen Räume für Ultras gebe, die der Club nicht betreten dürfe – und dort mutmaßlich in der Vergangenheit Feuerwerk gehortet wurde.
„Das mit den Räumen muss aufhören, oder die Vereine müssen sie durchsuchen. Ebenso die Wagen, mit denen die Caterer ins Stadion kommen. Und die Vereine müssen mit Videotechnik überwachen, dass nichts über die Zäune ins Stadion geworfen wird“, fordert Reul im „Spiegel“. Da sei sich auch die Innenministerkonferenz einig, doch die Clubs stellten sich auf den Standpunkt, eine solche Vollkontrolle sei nicht machbar.
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