In der Bundestagsfraktion der Grünen sorgt ein parteiinternes „Männermanifest“ für heftige Diskussionen. In der Fraktionssitzung am Dienstag in Berlin kam es nach Angaben mehrerer Abgeordneter zu einer zum Teil hitzigen Auseinandersetzung, nachdem der „Spiegel“ zuvor über das Schreiben berichtet hatte.
Kontroverse um „Männermanifest“
In der Grünen-Fraktion wird derzeit intensiv über ein Manifest aus der Partei gestritten, das sich mit dem Bild von Männlichkeit auseinandersetzt. Wie mehrere Abgeordnete dem „Spiegel“ bestätigten, kam es darüber am Dienstag in der Fraktionssitzung in Berlin zu einer zum Teil hitzigen Auseinandersetzung.
Der „Spiegel“ hatte am Wochenende über das Manifest berichtet, in dem nach Darstellung des Magazins Schattenseiten des Feminismus beschrieben und für eine neue, positive Definition von Männlichkeit geworben wird. Neun Männer und vier Frauen unterzeichneten das Papier, darunter die Parteivorsitzende Franziska Brantner und ihre Vorgängerin Ricarda Lang. Brantner gehört dem Realoflügel an, Lang dem linken Flügel.
Haßelmann betont Selbstverständnis als feministische Partei
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann kritisierte das Manifest indirekt. Sie sagte dem „Spiegel“, die Grünen seien eine feministische Partei. Wörtlich erklärte sie laut „Spiegel“, Feminismus habe „immer bedeutet, gemeinsam mit Männern für Gleichstellung und die Akzeptanz von Vielfalt von Geschlechterrollen zu kämpfen“. Das gelte auch für positive, moderne Männerbilder. „Alles andere wäre ein Missverständnis des Feminismus“, sagte Haßelmann dem „Spiegel“.
Kritisch äußerten sich nach Teilnehmerberichten in der Fraktionssitzung am Dienstag unter anderem die Grünen-Parlamentarierinnen Lena Gumnior, Ulle Schauws und Kirsten Kappert-Gonther. Aus der Fraktion hieß es, die Mehrheit der Meinungsäußerungen sei so zu verstehen gewesen, dass das nicht das Männerbild der Fraktion sei, was in dem Manifest niedergeschrieben worden sei.
Unmut über Zeitpunkt und fehlende Abstimmung
Nach Angaben aus der Fraktion wurde auch der Zeitpunkt der Debatte vor den wichtigen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kritisiert. Die Debatte über das Männlichkeitsbild jetzt zu führen, sei „fatal“, hieß es. Man habe andere Probleme, die das Land beschäftigten, wie etwa die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung, den Klimawandel und die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen.
Für weiteren Ärger sorgte, dass die Verfasser ihr Manifest nicht mit den Fachsprechern der Fraktion koordiniert hätten. Fraktionschefin Katharina Dröge wies darauf hin, dass andere für die Themen zuständig seien. Die Fachsprecher seien von dem Vorstoß der 13 Unterzeichner des Manifests nach diesen Angaben überrascht worden.
