Der Verein „Gay in May“ ist seit mehr als 45 Jahren Sinnbild für ein queeres Osnabrück. Im Zuge des Kulturfestivals „Gay in May“ findet auch in diesem Jahr ein reges Programm rund um das Empowerment und den Kampf um Gleichstellung der queeren Community. Höhepunkt ist dabei die Verleihung des Rosa-Courage-Preises der queeres Engagement deutschlandweit würdigt.
Auch in diesem Jahr wird der Rosa-Courage-Preis verliehen
Der Rosa-Courage-Preis wird in diesem Jahr zum 35. Mal verliehen, um besonderes Engagement für die Rechte und Belange der queeren Gemeinschaft zu fördern und zu würdigen. Das Engagement der vergangenen Preisträgerinnen und Preisträger reicht dabei über Politik, Kunst und Kultur. Gleichzeitig ist der renommierte Rosa-Courage-Preis Möglichkeit und Chance zugleich, die wichtige Arbeit des kleinen Vereins über die Grenzen Osnabrücks hinaus bekannter zu machen.
Wie wird der Rosa-Courage-Preis vergeben?
Vorschläge für mögliche Preisträgerinnen und Preisträger werden aus der Community über die Sozialen Medien entgegen genommen. Danach trifft ein Kuratorium die finale Entscheidung. Ann-Cathrin Röttger, Beauftragte für Queer-Pastoral im Bistum Osnabrück und im Vorstand des Vereins „Gay in May“, verriet gegenüber unserer Redaktion, dass die diesjährige Entscheidung aufgrund des 35-jährigen Jubiläums gar nicht so leicht gewesen sei. „Wir standen vor der Entscheidung, in die Vergangenheit zu blicken oder in die Zukunft zu schauen. Am Ende entschieden wir uns, nach vorne zu schauen“, so Röttger. „Auch nach 35 Jahren ist und bleibt die Verleihung des Rosa-Courage-Preises immer noch wichtig.“
Dieses Jahr erreichte das Kuratorium 15 Vorschläge, das Kollektiv „König Dragshow“ aus Berlin konnte sich schlussendlich durchsetzen. Das Kollektiv vertritt dabei fluide Rollenbilder, die gerade in rechtsextreme Kreisen vermehrt Hass und Anfeindungen begegnet werden. „Diese Gruppe spiegelt ein Feindbild für rechte Kräfte wider. Deswegen zeigen wir mit der Preisverleihung klare Kante“, betont Röttger.

Der Rosa Courage Preis geht 2026 an das Berliner Kollektiv „König Dragshow“. / Foto: Dominik Lapp
Starke Infrastruktur für die queere Community in Osnabrück
Osnabrück ist eine von nur wenigen Städten in Deutschland, die einen Queerbeirat besitzen. Zudem gebe es ein großes Engagement vieler queerer Vereine im Stadtraum. Auch gibt es Jugendgruppen und Beratungsstellen. „Auch wenn die Infrastruktur für eine kleinere Stadt wie Osnabrück beeindruckend ist, ist immer mehr möglich“, erzählt Röttger.
Veränderungen in der Gesellschaft bereiten auch hier Sorgen
Zwar würde der Verein selbst in Osnabrück keinen direkten Hass erfahren, trotzdem beobachtet man auch hier die politische Lage mit Unsicherheit. Als ehrenamtlicher Verein ist die Organisation der queeren Projekte, wie die Programmpunkte des diesjährigen Kulturfestivals, auf Fördermittel angewiesen, diese könnten jedoch in naher Zukunft unsicher werden. Nicht zuletzt spitzt sich die größer werdende Sorge auch durch die politische Lage in den USA zu. „Wir schauen mit Sorge darauf, ob Akteure aus Politik und Wirtschaft auch in Zukunft gewillt sind, queere Initiativen zu fördern“, gesteht Röttger ein. Zuletzt verlor der CSD Köln die Fördermittel der US-amerikanischen Firma Ford, da diese durch den politischen Kurs der Trump-Administration ihre Diversitätsklausel abgeändert hatten.
Das Programm überzeugt mit Vielfältigkeit
Zum Auftakt der „Gay in May“-Wochen findet die Rosa-Courage-Verleihung am 30. April statt. Am darauffolgenden Wochenende finden dann bis zum 3. Mai viele spannende Programmpunkte statt. Die Veranstaltungen sollen queere Menschen inspirieren, ihnen einen Raum geben, an dem Spaß, Empowerment und Harmonie im Vordergrund stehen. Die Sichtbarkeit, die durch das Kulturfestival in Osnabrück und außerhalb Osnabrücks entsteht, bleibt aber zuletzt auch ein politisches Signal. „Wir begegnen dem Rechtsdruck auf allen Ebenen und bekennen klar Farbe. Alle, die ehrliches Interesse an den Veranstaltungen haben und der queeren Community den Rücken stärken möchten, sind herzlich eingeladen, vorbeizuschauen“, betont Röttger. Weitere Informationen zum genauen Programmablauf und Angaben zu den Treffpunkten können auf der Website oder über den Instagram-Kanal des Vereins abgerufen werden.
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