Die Staats- und Regierungschefs der G7 haben sich auf dem Gipfel im französischen Évian auf eine umfassende Reform der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungsfinanzierung verständigt. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten sie ihr Engagement für internationale Kooperation als Motor für Wachstum und Wohlstand und kündigten tiefgreifende Veränderungen der bisherigen Strukturen an. Unterstützung erhielt die Erklärung den Angaben zufolge auch von den G7-Partnerländern Kenia und Südkorea.
Reform der internationalen Entwicklungsarchitektur
In der auf dem Gipfel verbreiteten gemeinsamen Erklärung würdigen die G7 nach eigenen Angaben zwar die Erfolge des bisherigen Systems bei der Armutsbekämpfung und Krisenbewältigung, sehen jedoch erheblichen Reformbedarf. Das bestehende Gefüge der Entwicklungsfinanzierung sei zu komplex geworden und habe nicht immer ausreichend dazu beigetragen, finanzielle Abhängigkeiten zu verringern oder nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern, heißt es dort. Angesichts von Schuldenkrisen, Konflikten, anhaltender Armut und steigenden Finanzierungsbedarfen müsse die internationale Entwicklungsarchitektur effizienter und wirkungsvoller gestaltet werden.
Künftig wollen die G7 nach eigenen Angaben stärker auf „gegenseitig vorteilhafte Partnerschaften“ setzen. Ziel sei es, Partnerländer dabei zu unterstützen, eigene Einnahmen zu erhöhen, private Investitionen anzuziehen und langfristig unabhängiger von externer Hilfe zu werden. Dabei sollen insbesondere die Eigenverantwortung, wirtschaftliche Souveränität und Widerstandsfähigkeit der Partnerstaaten gestärkt werden. Die Förderung von Frauen und Mädchen sowie die Durchsetzung ihrer Rechte werden in der Erklärung als zentrale Voraussetzung für Entwicklung und Wirtschaftswachstum hervorgehoben.
Umgang mit Schulden und Stärkung privater Investitionen
Ein weiterer Schwerpunkt der G7-Beschlüsse liegt auf der Bewältigung wachsender Schuldenprobleme vieler Entwicklungs- und Schwellenländer. Die G7 sprechen sich nach eigenen Angaben für schnellere und transparentere Verfahren bei Umschuldungen aus und fordern alle G20-Gläubiger zu einer stärkeren Zusammenarbeit bei der Offenlegung von Schuldendaten auf. Länder mit tragfähigen Reformprogrammen, die jedoch unter hohen Schuldendienstkosten leiden, sollen gezielt unterstützt werden.
Zudem wollen die G7 mehr privates Kapital für Entwicklungsprojekte mobilisieren. Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitutionen sollen der gemeinsamen Erklärung zufolge verstärkt Garantien, Risikoteilungsinstrumente und Mischfinanzierungen einsetzen, um Investitionen attraktiver zu machen. Besondere Bedeutung messen die Staaten dem Ausbau von Infrastruktur, widerstandsfähigen Lieferketten sowie Energie- und Digitalnetzen bei.
Auch die Sicherung kritischer Rohstofflieferketten soll den Angaben zufolge durch internationale Zusammenarbeit gefördert werden. Die G7 streben Partnerschaften an, die auf Transparenz, hohen Standards und lokaler Wertschöpfung beruhen. Vor dem Hintergrund globaler Lieferengpässe wollen sie zudem die Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit beobachten und betroffene Länder unterstützen.
Fokus auf ärmste Staaten und bessere Abstimmung von Institutionen
Konzessionäre Entwicklungsmittel sollen nach dem Willen der G7 künftig gezielter in die ärmsten und verwundbarsten Staaten fließen. Priorität haben in der gemeinsamen Erklärung Investitionen in Gesundheit, Bildung, Ernährung und frühkindliche Entwicklung, insbesondere in Ländern mit eingeschränktem Zugang zu Kapitalmärkten oder in Konfliktsituationen.
Darüber hinaus kündigten die G7 an, die Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsbanken, multilateralen Finanzinstitutionen und internationalen Organisationen zu verbessern. Neue Finanzierungsinstrumente sollen möglichst vermieden und bestehende Strukturen gestärkt werden. Auch Reformen innerhalb des UN-Systems werden in der gemeinsamen Erklärung unterstützt.
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