Bewohner überleben dank Gottesdienst – Gebäude ist nicht mehr bewohnbar
Ein schweres Erdbeben hat in Kolumbien auch ein Altenheim in der Stadt Cali schwer beschädigt. Das Gebäude der Ordensgemeinschaft „Hermanitas de los Pobres“ gleicht nach dem Beben einer Ruine, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Fenster sind zerborsten, Wände aufgerissen und Teile der Decken eingestürzt. Bauschutt bedeckt die Räume der Bewohner, das Treppenhaus ist schwer beschädigt. Doch die 65 Bewohner des Heims entgingen nur knapp einer Katastrophe: Zum Zeitpunkt des Bebens am Montag waren sie gemeinsam zum Gottesdienst versammelt und nicht in ihren Zimmern.
Panik und Tränen nach Erdbeben in Kolumbien
Schwester Maria Omaira Orozco, die selbst anwesend war, beschrieb die Situation als chaotisch: „Es waren Momente großer Panik, viel Geschrei. Die alten Menschen schrien, sie weinten.“ Dennoch überlebten alle, darunter auch drei Frauen über 100 Jahre alt. Orozco deutete dies als „Wunder Gottes“. Nach dem Beben waren Strom, Wasser und Gas ausgefallen.
Obdachlose trauern um verlorenes Zuhause
Die Schwestern richteten ein provisorisches Lager in einem weniger beschädigten Bereich ein, bis die Bewohner auf andere Häuser der Ordensgemeinschaft verteilt wurden. Einige konnten zu ihren Familien ziehen. Der Abschied fiel vielen schwer, da sie den Ort seit Jahren als ihr Zuhause kannten. Das Erdbeben der Stärke 7,4 traf Kolumbien am Montag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó, wie der Kolumbianische Geologische Dienst mitteilte.
EU stellt zwei Millionen Euro für Erdbebenopfer bereit
Die Katastrophenschutzbehörde UNGRD meldete bisher 281 Tote, über 3.900 Verletzte und 379 Vermisste, wie das Traunsteiner Tagblatt unter Berufung auf dpa berichtet. Mehr als 100.000 Menschen sind von den Folgen betroffen, und die Hoffnung auf weitere Überlebende in den Trümmern schwindet. Die Rettungskräfte arbeiten unterdessen an der Bergung von Vermissten und der Unterstützung der Betroffenen. Hilfe kommt auch aus dem Ausland: Die Europäische Union hat zwei Millionen Euro für die am stärksten betroffenen Gebiete zugesagt.