Die deutsche Wirtschaft ist mit einem leichten Plus ins Jahr 2026 gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent zu und bestätigte damit die erste Schätzung von Ende April. Wachstumstreiber waren vor allem die Exporte, während Bauinvestitionen und Teile der Industrie bremsten. Im Vorjahresvergleich fiel der Zuwachs der Wirtschaftsleistung moderat aus.
Exporte stützen Wachstum, Bauinvestitionen bremsen
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, bestätigte sich damit das Ergebnis der ersten Schätzung von Ende April. „Nach dem leichten Wachstum zum Jahresende 2025 ist die deutsche Wirtschaft auch positiv ins Jahr 2026 gestartet“, sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes (Destatis). „Vor allem die Exporte stiegen zu Jahresbeginn deutlich und stützten die Wirtschaftsleistung“, so Brand weiter.
Der Handel mit dem Ausland nahm im ersten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt kräftig zu. Insgesamt wurden 3,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, nachdem im vierten Quartal 2025 noch ein Rückgang der Ausfuhren zu verzeichnen war. Zur positiven Entwicklung trugen unter anderem gestiegene Exporte von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sowie Metallen bei. Die Importe erhöhten sich dagegen nur leicht um 0,1 Prozent.
Die preis-, saison- und kalenderbereinigten Konsumausgaben stiegen insgesamt um 0,4 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2025. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben deutlich um 1,1 Prozent. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte übertrafen das Niveau des Vorquartals dagegen nicht und entwickelten sich laut den neuesten, auf einer breiteren Datengrundlage beruhenden Berechnungen etwas schwächer als in der BIP-Schnellmeldung vom 30. April 2026 angenommen.
Die Bruttoanlageinvestitionen gingen im ersten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt deutlich zurück und lagen 1,5 Prozent unter dem Wert des Vorquartals, nachdem sie Ende 2025 noch gestiegen waren. Die Investitionen in Ausrüstungen – vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – sanken um 1,2 Prozent, was auf schwächere staatliche Ausrüstungsinvestitionen zurückgeführt wird. Die Investitionen in Bauten nahmen mit minus 2,5 Prozent noch stärker ab. Grund war vor allem die ungewöhnlich kalte Witterung im Januar und Februar, die den Baufortschritt bremste.
Verarbeitendes Gewerbe legt zu, Bau weiter im Minus
Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung stieg im ersten Quartal 2026 insgesamt leicht um 0,1 Prozent, nachdem sie im vierten Quartal 2025 bereits um 0,3 Prozent zugelegt hatte. Das Verarbeitende Gewerbe konnte seine Wertschöpfung im Quartalsvergleich mit einem Plus von 0,7 Prozent deutlich steigern. Insbesondere in den Bereichen Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sowie Sonstiger Fahrzeugbau nahmen die preisbereinigten Umsätze gegenüber dem Vorquartal zu. In der Herstellung von Metallerzeugnissen sowie im Maschinenbau ging die Wirtschaftsleistung dagegen zurück.
Das Baugewerbe verzeichnete im Vergleich zum Vorquartal einen Rückgang von 0,6 Prozent, auch hier belastete die ungünstige Witterung zu Jahresbeginn. In den meisten Dienstleistungsbereichen änderte sich die Wertschöpfung gegenüber dem Vorquartal kaum. Unternehmensdienstleister und Sonstige Dienstleister lagen leicht im Minus, während Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation sowie Finanz- und Versicherungsdienstleister ihre preis-, saison- und kalenderbereinigte Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2026 steigern konnten. Bei den Öffentlichen Dienstleistern, Erziehung, Gesundheit blieb die Bruttowertschöpfung nahezu unverändert.
Im Vergleich zum ersten Quartal 2025 war das BIP im ersten Quartal 2026 preisbereinigt um 0,5 Prozent höher, preis- und kalenderbereinigt lag der Anstieg bei 0,4 Prozent. Die preisbereinigten Konsumausgaben nahmen im Vorjahresvergleich um 1,6 Prozent zu, sowohl private als auch staatliche Konsumausgaben entwickelten sich positiv. Die Ausgaben der privaten Haushalte stiegen um 0,8 Prozent, beim Staatskonsum sorgten vor allem höhere Ausgaben des Bundes für ein kräftiges Plus von 3,5 Prozent.
Die preisbereinigten Investitionen in Ausrüstungen lagen 0,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Besonders positiv entwickelten sich die gewerblichen Pkw-Zulassungen. Auch die Investitionen des Staates, einschließlich der investiven Ausgaben im Verteidigungsbereich, waren höher als im Vorjahr. In Bauten wurde hingegen deutlich weniger investiert als im Vorjahreszeitraum, die Investitionen sanken um 3,3 Prozent. Die Bautätigkeit wurde vor allem von der schlechten Witterung zu Jahresbeginn gebremst.
Arbeitsmarkt, Einkommen und internationaler Vergleich
Im Außenhandel zeigte sich im Vorjahresvergleich eine zweigeteilte Entwicklung. Die Exporte sanken preisbereinigt insgesamt um 0,3 Prozent, vor allem wegen geringerer Dienstleistungsausfuhren (minus 2,4 Prozent) in den Bereichen sonstige unternehmensbezogene Dienstleistungen – unter anderem Forschung und Entwicklung, Freiberufliche Dienstleistungen und Managementberatungsleistungen – sowie Transportdienstleistungen. Die Ausfuhr von Waren lag hingegen mit einem Plus von 0,4 Prozent leicht über dem Vorjahresniveau, unter anderem dank stärkerer Exporte von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen Ausrüstungen.
Die Importe nahmen preisbereinigt um 1,7 Prozent zu. Auch hier wurden weniger Dienstleistungen gehandelt (minus 3,2 Prozent), etwa bei Telekommunikations-, EDV- und Informationsdienstleistungen sowie sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Die Einfuhr von Waren lag mit einem Plus von 3,8 Prozent deutlich höher als im Vorjahresquartal, insbesondere die Importe von Kraftwagen und Kraftwagenteilen nahmen zu.
Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung insgesamt erhöhte sich im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,5 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe steigerte seine Wertschöpfung leicht um 0,1 Prozent, nachdem sie bereits im vierten Quartal 2025 angestiegen war. Besonders die Kokerei und Mineralölverarbeitung sowie der Sonstige Fahrzeugbau verzeichneten Umsatzzuwächse, während die Herstellung von chemischen Erzeugnissen und der Maschinenbau Rückgänge hinnehmen mussten. Beinahe alle Dienstleistungsbereiche weiteten ihre wirtschaftliche Leistung aus, besonders Information und Kommunikation mit plus 2,0 Prozent sowie Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit plus 1,8 Prozent. Einen Rückgang verzeichneten lediglich Finanz- und Versicherungsdienstleister mit minus 1,2 Prozent. Im Baugewerbe setzte sich die seit mehr als vier Jahren anhaltende negative Entwicklung der Bruttowertschöpfung im Vorjahresvergleich mit einem Minus von 4,4 Prozent fort; sowohl Bauhauptgewerbe als auch Ausbaugewerbe meldeten Produktionsrückgänge.
Die Wirtschaftsleistung wurde im ersten Quartal 2026 von rund 45,6 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht, 157.000 Personen oder 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die kräftigen Rückgänge im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe konnten durch den leichten Anstieg der Erwerbstätigkeit in den Dienstleistungsbereichen nicht ausgeglichen werden (siehe Pressemitteilung Nr. 167 vom 19. Mai 2026).
Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit stiegen die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je erwerbstätiger Person im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,3 Prozent. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen blieb im gleichen Zeitraum unverändert, da die gestiegene Stundenzahl je Erwerbstätigen die gesunkene Zahl der Erwerbstätigen ausglich.
Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde, nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,5 Prozent zu. Je Erwerbstätigen gerechnet lag sie 0,8 Prozent höher als vor einem Jahr.
In jeweiligen Preisen waren sowohl das BIP als auch das Bruttonationaleinkommen im ersten Quartal 2026 um 3,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen wuchs um 3,4 Prozent. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen mit plus 2,1 Prozent weniger stark als das Arbeitnehmerentgelt, das um 3,9 Prozent zunahm und damit schwächer wuchs als in den Quartalen zuvor. Gründe waren der Rückgang der Zahl der Arbeitnehmer um 0,3 Prozent und geringere Steigerungen bei den Sozialbeiträgen der Arbeitgeber von 3,5 Prozent. Je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer erhöhten sich die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter um 4,3 Prozent. Eine Rolle spielte hierbei die Entwicklung der Sonderzahlungen, zu denen auch Abfindungen zählen. Netto stieg die Lohnsumme insgesamt mit 3,9 Prozent etwas schwächer als die Bruttolohnsumme mit 4,0 Prozent, unter anderem wegen einer leicht überdurchschnittlichen Entwicklung der Sozialbeiträge der Arbeitnehmer von 4,2 Prozent sowie der Lohnsteuer von 4,3 Prozent.
Der Konsum der privaten Haushalte in jeweiligen Preisen legte im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal mit 3,3 Prozent ebenso stark zu wie ihr gesamtwirtschaftliches Einkommen. Die Sparquote lag damit unverändert bei 12,6 Prozent.
Zu Jahresbeginn lag die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland leicht oberhalb des europäischen Durchschnitts. In der Europäischen Union (EU) insgesamt stieg die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent und damit etwas schwächer als in Deutschland mit 0,3 Prozent. Von den großen EU-Mitgliedstaaten verzeichnete Spanien mit 0,6 Prozent das stärkste Wachstum, in Italien stieg die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent, in Frankreich stagnierte sie. In den USA lag das BIP im Vergleich zum vierten Quartal 2025 um 0,5 Prozent höher. Im preis-, saison- und kalenderbereinigten Vorjahresvergleich nahm die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,3 Prozent zu, während sie in der EU insgesamt um 1,0 Prozent anstieg, so die Statistiker.
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