AfD-Chef Tino Chrupalla hat die Doppelspitze seiner Partei vor dem Bundesparteitag in Erfurt deutlich verteidigt und eine alleinige Führung abgelehnt. In einem Interview mit der ARD betonte er, die gemeinsame Parteispitze mit Alice Weidel habe sich bewährt und solle fortgeführt werden. Zugleich kritisierte er geplante Blockaden des Parteitags sowie die Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz.
Chrupalla bekräftigt Unterstützung für Doppelspitze
AfD-Chef Tino Chrupalla sieht nach eigenen Worten keinen Anlass, die AfD allein führen zu müssen. Er sehe „keinen Grund, die Partei allein führen zu müssen“, sagte er der ARD. Über seine Co-Vorsitzende Alice Weidel sagte Chrupalla: „Wir mögen uns.“ Die beiden stünden zusammen an der Spitze der AfD und sollten das auch bleiben. Auf dem bevorstehenden Parteitag in Erfurt treten sie nach seinen Angaben erneut für die Doppelspitze an. Diese habe sich bewährt, so Chrupalla.
Nach seinen Worten gibt es zwischen ihm und Weidel eine klare Aufgabenverteilung. Es sei eine Arbeitsaufteilung zwischen ihnen. Er sei froh, Weidel an seiner Seite zu haben, und denke, das gehe ihr genauso. In der AfD wird immer wieder über die Abschaffung der Doppelspitze diskutiert, Chrupalla hält das jedoch für keine gute Idee. Aktuell könne er sich nicht vorstellen, die Partei allein führen zu müssen oder zu wollen.
Unterschiedliche Positionen innerhalb der Parteiführung
Die Parteichefs hatten sich in der Vergangenheit auch öffentlich widersprochen, etwa beim Thema Wehrpflicht oder im Umgang mit Russland. Dazu sagte Chrupalla der ARD, sie seien keine siamesischen Zwillinge, die im Wortklang alles gleich sagen müssten. „Natürlich“ gebe es unterschiedliche Meinungen zu unterschiedlichen Themengebieten. Das sei in einer Doppelspitze „ganz normal“.
Proteste gegen Parteitag und Kritik am Verfassungsschutz
Der AfD-Bundesparteitag in Erfurt wird von Protesten begleitet. Es gibt Aufrufe, die Zufahrten zur Halle zu blockieren und den Parteitag so zu verhindern. Auch mit Gewalt wird gerechnet. Chrupalla hofft, dass es friedlich bleibt, sieht in den Blockaden aber Gesetzesbrüche. Wenn Straßen blockiert würden, hoffe er, dass der Rechtsstaat entsprechend reagiere, sagte er der ARD.
Chrupalla kritisierte zudem Linke und Grüne, die sich aus seiner Sicht anmaßen würden, den Parteitag zu verhindern. Es gehöre zu einer Demokratie dazu, dass man sich versammeln dürfe, und das sei nach dem Parteiengesetz unbedingt erforderlich. Das sei „absolut vom Grundgesetz gedeckt“. Dass man sich so etwas „mittlerweile erkämpfen“ müsse, zeige die „gesamte Situation in Deutschland“.
Die AfD gilt bundesweit als rechtsextremer Verdachtsfall, zudem ist sie in vier Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuft. Chrupalla sieht das anders. Für ihn sei Rechtsextremismus, wenn man „mit Gewalt gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung“ vorgehe oder gegen das Grundgesetz verstoße. Das sehe er bei den Mitgliedern der AfD nicht.
Der aktuelle Verfassungsschutzbericht spricht von 28.000 Extremisten in der Partei. Chrupalla griff die Behörde in der ARD an. Er müsse sich gegen etwas rechtfertigen, wo er nicht wisse, was ihm konkret vorgeworfen werde. Man müsse auch dem Gegenüber und den Personen, die man beschuldige, die Möglichkeit geben, sich dagegen zu wehren. Das gehöre in einem Rechtsstaat dazu.
