Der VfL Osnabrück hat seine historische Drittliga-Saison mit einem Sieg gekrönt. Beim VfB Stuttgart II setzten sich die Lila-Weißen am letzten Spieltag mit 4:3 durch und überspringen damit auch die 80-Punkte-Marke. Auf dem Weg zum Erfolg zeigten die Meister ein zwiespältiges Spiel: 30 verhaltenen Minuten folgten 60 deutlich bessere – die letzte halbe Stunde geriet allerdings hektischer als der Spielstand zur Pause hatte vermuten lassen.
Cheftrainer Timo Schultz nutzte das bedeutungslose Saisonfinale für umfangreiche Rotation. Im Vergleich zum 1:1 gegen Ulm blieben mit Müller, Wiemann, Kehl und Meißner nur vier Spieler in der Startelf übrig. Auch Ersatztorhüter Sauter erhielt verdient seinen ersten Saisoneinsatz. Vor dem Anpfiff stand zudem die Übergabe der DFB-Auszeichnung an Timo Schultz als „Trainer der Saison“ auf dem Programm – ebenso wie die Ehrung von Stuttgarts Noah Darvich als „Newcomer der Saison“.
Kammerbauer als Vorlagengeber vom Dienst
Die ersten 30 Minuten plätscherten weitgehend ereignislos vor sich hin. Wirkliche Highlights blieben aus, der Tabellenführer wirkte etwas müde, fand aber dann doch den Weg ins Spiel. Mit dem ersten echten Highlight der Partie gingen die Lila-Weißen in der 32. Minute in Führung. Nach einer Standardsituation brachte Patrick Kammerbauer den zweiten Ball zurück in die gefährliche Zone, wo Bjarke Jacobsen am höchsten stieg und gegen Stuttgarts Schlussmann von der Felsen zum 1:0 einköpfte.
Sechs Minuten später lieferte Kammerbauer den nächsten Assist. Seine Flanke verwertete Fridolin Wagner technisch ansprechend per Direktabnahme aus rund fünf Metern in die linke obere Ecke (38.). Kurz vor der Pause musste der Ersatzkeeper Sauter dann doch einmal eingreifen: Justin Diehl zwang ihn zu einer starken Fußparade, Darvichs Nachschuss wurde von einem Abwehrbein geblockt (45.+1).
Den Saisonkehraus begann der VfL gnadenlos. In der 48. Minute bediente David Kopacz im Strafraum Robin Meißner, der von der linken Seite mit rechts in die kurze Ecke zum 3:0 einschoss – Meißners bereits 14. Saisontreffer in der 3. Liga.
Stuttgart kommt zurück, Kehl beruhigt – und ein Tesche-Abschied
Wer dachte, die Partie sei damit entschieden, sah sich getäuscht. Die jungen Schwaben gaben sich nicht auf und kamen durch Justin Diehl auf 1:3 heran, Abdenego Nankishi hatte den Treffer mustergültig vorbereitet (57.). Doch der VfL hatte umgehend die richtige Antwort parat: Erneut war es Kammerbauer, der die Vorlage lieferte – seine dritte des Tages. Lars Kehl stellte mit einem Linksschuss zum 4:1 den alten Abstand wieder her (63.).
Anschließend wurde es allerdings noch einmal turbulent. Mansour Ouro-Tagba nahm in der 67. Minute einen Ball mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich gegen drei Gegenspieler und traf aus der Drehung genau an den Innenpfosten zum 2:4. Elf Minuten später schlug auch VfB-Kapitän Nicolas Sessa zu: Sein direkter Freistoß von der Strafraumecke senkte sich zum 3:4 ins Netz – Sauter machte dabei nicht die glücklichste Figur, für Sessa war es bereits das zehnte Saisontor.
In der 84. Minute folgte ein besonderer Moment: Schultz wechselte Robert Tesche für Ismail Badjie ein, damit der scheidende Routinier vor seinem Karriereende noch ein paar letzte Minuten auf dem Profifußball-Rasen erleben durfte. Stuttgart drückte zwar weiter, doch außer einem missglückten Abschluss von Ouro-Tagba aus spitzem Winkel (86.) brachten die Schwaben nichts Zwingendes mehr zustande. In der fünfminütigen Nachspielzeit ließen die Lila-Weißen schließlich nichts mehr anbrennen und brachten den knappen Sieg über die Zeit. Mit dem 4:3-Erfolg beendet der VfL Osnabrück eine außergewöhnliche Drittliga-Saison mit nunmehr 80 Punkten auf dem Konto.
Cottbus zieht nach, Duisburg ist der große Verlierer
Während die Lila-Weißen ihre Meisterschaft mit dem letzten Sieg krönten, lieferten sich die direkten Konkurrenten parallel ein echtes Herzschlagfinale. Als zweiter direkter Aufsteiger steht Energie Cottbus fest, das nach zwölf Jahren in die 2. Bundesliga zurückkehrt. Die Lausitzer setzten sich mit 1:0 beim bereits abgestiegenen Jahn Regensburg durch und verteidigten Rang zwei souverän – Boziaris erzielte den entscheidenden Treffer.
Das größere Drama spielte sich dahinter ab. Lange Zeit lag der MSV Duisburg auf Aufstiegs-Relegationsrang drei, kam beim Heimspiel gegen Viktoria Köln aber nicht über ein 1:1 hinaus. Den letzten Stich setzte stattdessen Rot-Weiss Essen: Mit einem späten Treffer von Verteidiger Ben Hüning in der Nachspielzeit beim 3:2-Sieg in Ulm schnappte sich RWE noch Rang drei und damit das Ticket für die Aufstiegsrelegation gegen den Sechzehnten der 2. Bundesliga. Für den MSV blieb am Ende nur der bittere vierte Platz. Eine starke Saison der Duisburger endete damit ohne den ersehnten Aufstieg.
Den VfL Osnabrück tangiert dieses Drama nur am Rande. Für die Lila-Weißen geht es nun mit der wohlverdienten Sommerpause und der Vorbereitung auf eine Saison weiter, deren erstes Kapitel die Mannschaft von Timo Schultz bereits geschrieben hat: die Rückkehr in die 2. Bundesliga.