EVP-Chef Manfred Weber (CSU) dringt auf eine stärkere Nutzung der Atomkraft in Europa und sieht darin eine Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Zugleich wirbt er für einen offenen Energie-Binnenmarkt, von dem auch Deutschland profitieren solle, und mahnt angesichts des Iran-Kriegs zur Begrenzung neuer Entlastungsmaßnahmen. In zentralen Punkten widerspricht Weber einer vom Umweltbundesamt beauftragten Studie, die Atomenergie nur eine untergeordnete Rolle beim Klimaschutz einräumt.
Weber wirbt für Atomkraft und Energie-Binnenmarkt
EVP-Chef Manfred Weber (CSU) dringt auf eine stärkere Nutzung von Atomkraft. „Ohne Atomstrom kann die Energiewende nicht gelingen. Wir brauchen die Grundlastversorgung zu einem vernünftigen Preis“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). Ob in Deutschland neue Kernkraftwerke gebaut oder stillgelegte reaktiviert werden, müsse die deutsche Politik entscheiden.
Weber rief zur Schaffung eines offenen Energie-Binnenmarkts auf. „Wenn Frankreich, Polen, die Tschechische Republik, die Niederlanden, Schweden und Finnland jetzt auf Atomkraft setzen, um die sonnenarmen Stunden auszugleichen, dann soll auch Deutschland davon profitieren“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir brauchen Strom als ganz normale handelbare Ware.“ Ein Energie-Binnenmarkt könne seiner Ansicht nach „den deutschen Fehler des Atomausstiegs heilen“.
Zurückhaltung bei weiteren Entlastungen
Zugleich äußerte sich Weber skeptisch zu möglichen neuen Entlastungen, um die Folgen des Iran-Kriegs auszugleichen. „Es ist gut, dass geholfen wird – je zielgerichteter, desto besser. Es kommt aber auch der Punkt, wo wir den Menschen sagen müssen, dass wir nicht alle weltwirtschaftlichen Auswirkungen abfedern können“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir sind als Deutsche und Europäer in einem globalen Boot und werden hin und her geschlagen.“
Weber forderte, die erneuerbaren Energiequellen weiter auszubauen und zugleich auf die Kernkraft zu setzen. „Das sind die beiden großen Botschaften in der europäischen Energiepolitik“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Widerspruch zu Studie im Auftrag des Umweltbundesamts
Mit seinen Forderungen widersprach Weber einer kürzlich veröffentlichten Studie, die das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hatte. Danach kann Atomenergie bei der Bekämpfung des Klimawandels allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Die Wissenschaftler des Öko-Instituts kommen in ihrer Forschung zu dem Ergebnis, dass zur Vermeidung von Treibhausgasen Kernenergie im Vergleich zu erneuerbaren Energien eine teure Option ist. Während erneuerbare Energien bereits heute und auch perspektivisch kostengünstige Möglichkeiten zur Emissionsminderung bieten, bleiben neue Kernkraftwerke aufgrund hoher Kapitalkosten, langer Bauzeiten und erheblicher finanzieller Risiken eine kostenintensive Vermeidungsoption, heißt es in der vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Untersuchung.
Hinzu kommt nach Darstellung des Öko-Instituts, dass Kernenergie für ein zukünftiges Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien nur begrenzt geeignet ist. Wind- und Solarenergie erzeugen Strom abhängig von Wetterbedingungen und Tageszeit. Das künftige Energiesystem brauche daher flexible Anlagen, die diese Schwankungen ausgleichen können. Konventionelle Kernkraftwerke sind laut Öko-Institut aufgrund ihrer Größe, technischen Eigenschaften und wirtschaftlichen Anforderungen auf hohe Auslastung angewiesen. Ein flexibler Betrieb würde ihre ohnehin hohen Stromerzeugungskosten weiter erhöhen.
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