Meteorologe Özden Terli sieht aktuell extrem günstige Bedingungen für Waldbrände in Deutschland und Europa. Die Böden seien bretthart trocken, und langanhaltender Regen ist nicht in Sicht. Gleichzeitig fordern Politiker mehr Unterstützung für die Feuerwehren.
Meteorologe: Böden trocken, Regen nicht in Sicht
Die Grundbedingungen für Waldbrände seien "extrem günstig für Waldbrände – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit", sagte Terli der "Rheinischen Post" (Samstag). Die Hitze spitze sich am 14. August weiter zu, was zu mehr Verdunstung und Austrocknung führe. Dass es bisher nicht gebrannt habe, sei eher Glück gewesen oder auf vorsichtiges Verhalten zurückzuführen.
Auch in den kommenden Tagen rechnet Terli nicht mit einer schnellen Entspannung. Zwar stelle sich "die Wetterlage um und es wird unbeständiger" mit Schauern und Gewittern. "Die Böden sind allerdings bretthart trocken, viel einsickern wird zunächst einmal nicht. Es bräuchte langanhaltenden Regen, der nicht in Sicht ist."
Terli fordert mehr Klimaschutz
Angesichts der Lage forderte Terli mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. "Was wir jetzt erleben, sind die Versäumnisse beim Klimaschutz der vergangenen Jahrzehnte. Es passiert das, wovor Meteorologen, Klimawissenschaftler und Physiker seit Jahrzehnten warnen". Es bräuchte einen massiven Wechsel weg von fossilen Energieträgern, was wirtschaftlich günstiger und gesundheitlich vorteilhaft sei.
In Anbetracht der Waldbrandlage in Deutschland muss der Bund nach Ansicht der Grünen zügig ein Bundesprogramm zur Sanierung von jährlich 2.000 Feuerwehrwachen auflegen. Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, sagte der „Rheinischen Post“: „Gerade kleinere Städte und Gemeinden dürfen mit diesen Investitionen nicht allein gelassen werden.“
Diejenigen müssten gut aufgestellt sein, die im Ernstfall vor Ort ausrückten. "Der Bund muss Länder und Kommunen dabei unterstützen, ihre Feuerwehren und ihre Infrastruktur fit für die Herausforderungen der heutigen Zeit zu machen." Ohne starke Feuerwehren gebe es keinen starken Bevölkerungsschutz, so Emmerich. Laut Feuerwehrverband gibt es in Deutschland rund 24.000 Feuerwehrstandorte und Wachen. Vielfach herrscht ein erheblicher Sanierungsstau.
Die SPD schlägt unterdessen die Bildung einer "Bundesfeuerwehr" vor. Fraktionsvize Esra Limbacher sagte der „Rheinischen Post“: „Ich halte es für sinnvoll, auch über eine Bundesfeuerwehr als Unterstützungseinheit nachzudenken, die bei großen Waldbränden zum Einsatz kommt.“