Er kommt in kleinen Dosen, dezenten Portionsbeutel und mit Bezeichnungen wie „Strong“ oder „Extra Strong“ daher: Snus ist längst über Skandinavien hinaus bekannt.
Diejenigen, die sich erstmals mit dem Produkt beschäftigen, treffen dabei auf Stärkeangaben, die sich nicht auf Anhieb miteinander vergleichen lassen. Manche Hersteller nennen die Stärke in Milligramm pro Gramm, andere in Milligramm pro Beutel. Auch sind Skalen mit Punkten oder Balken zu finden.
Besonders verwirrend: Eine vermeintlich schwächere Variante kann je Portion mehr Nikotin enthalten als ein Produkt, das mit einer höheren Stufe wirbt. Deshalb ist ein genauer Blick auf die konkreten Zahlen nötig.
Snus und Nikotinbeutel sind nicht dasselbe
Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff Snus meist auch für tabakfreie Nikotinprodukte verwendet. Klassischer schwedischer Snus enthält jedoch Tabak. Sein Verkauf ist nach aktuellem europäischem Recht außerhalb Schwedens verboten.
Nikotinbeutel bestehen dagegen aus Nikotin, Trägerstoffen und Aromen. Diese Unterscheidung ist sowohl rechtlich als auch inhaltlich wichtig. Beide Varianten werden unter die Lippe gelegt, sodass das Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann.
Für die Einschätzung der Stärke zählt daher vor allem, wie viel Nikotin in einer Portion steckt. Diejenigen, die online Snus kaufen möchten, sollten zunächst die Bezugsgröße auf der Verpackung oder in der Produktbeschreibung prüfen. Stehen dort beispielsweise 16 Milligramm pro Gramm, enthält ein Beutel mit einem Gewicht von 0,5 Gramm rechnerisch 8 Milligramm Nikotin. Eine Angabe von 16 Milligramm pro Beutel entspricht dagegen der doppelten Menge.
Ohne das Portionsgewicht zu berücksichtigen, lassen sich beide Produkte somit nicht sinnvoll miteinander vergleichen. Das ist besonders bei Marken mit unterschiedlichen Beutelgrößen wichtig zu wissen.
Stärkeskalen bieten nur wenig Orientierung
Bezeichnungen wie „mild“, „normal“ oder „ultra strong“ sind zudem nicht herstellerübergreifend festgelegt. Auch Symbole mit drei, vier oder fünf ausgefüllten Punkten folgen keinem einheitlichen Maßstab.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung untersuchte 44 Nikotinbeutel und fand bei Produkten zwischen „medium“ und „extra strong“ deutliche Überschneidungen. Bei einem Markenwechsel konnte sich der Nikotingehalt trotz gleicher Bezeichnung sogar verdoppeln.
Verlässlicher ist daher eine konkrete Mengenangabe pro Portion. Ein Vergleich allein anhand des Verpackungsdesigns führt schnell in die Irre.
Die tatsächliche Stärke hängt von mehreren Faktoren ab
Die Milligrammzahl beschreibt den enthaltenen Nikotinanteil − aber sie beschreibt nicht vollständig, wie intensiv ein Beutel wirklich wirkt. Auch Feuchtigkeit, pH-Wert, Portionsgröße und Freisetzungsgeschwindigkeit spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, denn ein feuchter Beutel gibt Nikotin schneller ab als eine trockene Variante.
Das BfR stellte zudem fest, dass die meisten untersuchten Produkte den Großteil ihres Nikotins innerhalb von 20 Minuten freisetzen. Auch Anwendungsdauer und individuelle Nikotinerfahrung des Konsumenten verändern die Wahrnehmung.
Eine hohe Zahl auf der Dose bedeutet daher nicht automatisch eine gleichmäßige Wirkung über die gesamte Anwendungsdauer.
Hohe Dosierungen sind nicht harmlos
Nikotin macht abhängig und beeinflusst Herz und Kreislauf. Zu viel davon kann unter anderem Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Herzklopfen auslösen.
Nach Angaben des BfR lag der Nikotingehalt der untersuchten Beutel zwischen 1,79 und 47,5 Milligramm pro Portion. Gerade Produkte am oberen Ende dieser Spanne können deutlich höhere Nikotinspiegel im Blut erzeugen als eine Zigarette. Für Kinder, Jugendliche, Nichtraucher, Schwangere, Stillende und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieht das Institut daher besondere Risiken.
Entscheidend ist also immer die Angabe in Milligramm pro Beutel. Erst danach lohnt der Blick auf Geschmack, Format und herstellereigene Stärkeskala. Begriffe wie „Strong“ liefern höchstens eine grobe Orientierung innerhalb derselben Marke. Werden Produkte verschiedener Anbieter miteinander verglichen, ist außerdem auf das Portionsgewicht zu achten und Angaben pro Gramm entsprechend umzurechnen.
