Schwere Flutwelle in Nepal und China: Hunderte Tote, Deutsche unter Vermissten
Eine verheerende Sturzflut hat in der Himalaya-Region an der Grenze zwischen Nepal und China schwere Zerstörungen angerichtet. Nach aktuellen Angaben der nepalesischen Polizei sind mindestens 157 Menschen ums Leben gekommen, wie die Tagesschau berichtet. Die Zahl der Vermissten steigt indes weiter an: Allein in Nepal gelten laut Merkur über 826 Menschen als vermisst, in China werden weitere Hunderte vermisst, sodass die Gesamtzahl auf mehr als 1.300 angewachsen ist. Unter den Vermissten befinden sich auch Ausländer, darunter Touristen aus Deutschland, den USA, Spanien und Großbritannien, wie der leitende Beamte Santosh Panta vom Nepal Tourism Board der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die taz nennt eine Zahl von 384 vermissten Touristen, darunter mehr als 290 Ausländer, wobei der Großteil aus Indien stammt. Auch 26 nepalesische Polizeibeamte werden vermisst, wie die taz weiter berichtet.
Flutwelle zerstört Dörfer und Infrastruktur
Die Flutwelle riss ganze Dörfer mit sich, beschädigte Straßen, Brücken und Kraftwerke. Videoaufnahmen zeigen, wie Wassermassen Häuser und Fahrzeuge fortspülten, während andere Gebäude im Schlamm versanken. Augenzeugen wie der Lehrer Suman Chalise aus dem Bezirk Nuwakot beschrieben die Zerstörung als „absolut entsetzlich“, wie die taz zitiert. Die nepalesische Armee und Sicherheitskräfte sind mit Rettungshubschraubern und Bodentruppen im Einsatz, doch die Arbeiten gestalten sich aufgrund des Hochwassers und der unwegsamen Gelände schwierig.
Erdbeben oder Gletscherlawine als Ursache vermutet
Als mögliche Ursache der Katastrophe wird ein Erdbeben vermutet. Nepals Außenminister Shisir Khanal erklärte vor dem Parlament, erste Berichte deuteten darauf hin, dass ein Beben der Stärke 4,4 eine Lawine ausgelöst habe, die wiederum die Sturzflut auslöste, wie Merkur und Tagesschau berichten. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte ein solches Beben nahe der Grenze registriert. Klimaexperten des International Centre for Integrated Mountain Development (Icimod) gehen davon aus, dass eine Lawine aus Eis und Geröll von einem Gletscher den Fluss Lhende Khola zunächst blockiert und dann eine plötzliche Flutwelle freigesetzt habe, wie die Tagesschau schreibt. Nepalesische Medien wie The Kathmandu Post vermuten hingegen, ein Erdrutsch im tibetischen Hochland könnte einen Fluss aufgestaut haben, bis die Wassermassen über die Ufer traten.
China schickt Rettungskräfte in Grenzgebiet
China entsandte zahlreiche Rettungskräfte mit schwerem Gerät in das betroffene Gebiet im Kreis Gyirong und rief eine erhöhte Katastrophenwarnstufe aus, wie die Tagesschau und taz berichten. Staatschef Xi Jinping ordnete an, alle verfügbaren Kräfte für den Rettungseinsatz einzusetzen. Die Schlammlawine habe Straßen, Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen zum Grenzübergang abgeschnitten, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.
Nepal mobilisiert Armee und warnt vor Flut
Nepals Premierminister Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte an, während die Behörden für flussabwärts gelegene Gebiete eine Katastrophenwarnung herausgaben. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, man stehe in engem Kontakt mit der Botschaft in Kathmandu, habe aber derzeit keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen. Die Hilfsorganisation CARE Nepal bot Unterstützung bei Soforthilfe und Wiederaufbau an, wie der Merkur berichtet.