Mehrere Fraktionen im Bundestag plädieren dafür, syrischen Flüchtlingen Erkundungsreisen in ihre Heimat zu erlauben, ohne dass ihnen daraus aufenthaltsrechtliche Nachteile entstehen. Während SPD, Grüne und Linke hierfür werben, lehnen Union und AfD entsprechende Lockerungen ab. Hintergrund sind laufende Widerrufsprüfverfahren für syrische Schutzberechtigte nach temporären Reisen nach Syrien.
Forderungen nach „Heimatbesuchen auf Probe“
Der innenpolitische Sprecher der SPD, Sebastian Fiedler, sprach sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe) für Erkundungsreisen von syrischen Flüchtlingen aus. „So können sich die Menschen vor Ort selbst ein Bild davon machen, ob sich für sie eine dauerhafte Rückkehrmöglichkeit eröffnet“, sagte Fiedler der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Das würde sicherlich auch bei allen Fragen rund um das Engagement der Menschen beim Wiederaufbau Syriens helfen.“
Auch Filiz Polat, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, unterstützt sogenannte Heimatbesuche auf Probe. „Die Bundesregierung sollte diese Reisen ermöglichen – unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltstitel – und gewährleisten, dass den Betroffenen daraus keine Nachteile entstehen“, sagte Polat der FAZ.
Zustimmung von der Linken
Die Linke schloss sich den Forderungen an. „Ich habe schon kurz nach dem Sturz von Assad gefordert, dass `Go-and-see-Besuche` für Syrerinnen und Syrer mit Schutzstatus ermöglicht werden müssen“, sagte Clara Bünger, Sprecherin der Linken-Fraktion für Fluchtpolitik. „Die Bundesregierung weigert sich aber, solche Reisen zu erlauben, während Merz gleichzeitig die rassistische Forderung ausgegeben hat, dass 80 Prozent der Geflüchteten aus Syrien zurückkehren müssten.“
Rechtsfolgen von Heimatreisen und Kritik der Opposition
Flüchtlinge, die in ihren Herkunftsstaat reisen, riskieren derzeit, ihren Schutztitel in Deutschland zu verlieren. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilte auf Anfrage mit, im Jahr 2025 seien 2.593 Widerrufsprüfverfahren für das Herkunftsland Syrien aufgrund von temporären Heimreisen angelegt worden, im ersten Quartal dieses Jahres 708. Bei wie vielen Syrern aufgrund von Heimatbesuchen die Schutzgewährung dann tatsächlich aufgehoben wurde, wurde statistisch nicht erfasst.
Anders als Koalitionspartner SPD sieht die Union Erkundungsreisen kritisch. „Wer so weit ist, dass er über die bestehenden Möglichkeiten der modernen Kommunikation hinaus hin- und herreist, der befindet sich offensichtlich nicht in einer Verfolgungssituation. Das Entfallen des Schutzstatus ist dann die logische Konsequenz“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Alexander Throm. Ähnlich argumentierte der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Gottfried Curio.
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