Die SPD-Bundestagsfraktion unterstützt den AOK-Vorschlag, den Alkoholverkauf an Tankstellen einzuschränken. Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sieht die Verfügbarkeit von Alkohol in Deutschland als problematisch an. Auch andere Parteien und Experten melden sich zu Wort.
SPD und Linke für strengere Regulierung
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christos Pantazis, sagte der "Welt": "Alkohol ist in Deutschland nahezu rund um die Uhr und häufig zu sehr niedrigen Preisen verfügbar". Diese "nahezu selbstverständliche Verfügbarkeit" müsse man hinterfragen. "Gerade Tankstellen ermöglichen vielerorts den Kauf alkoholischer Getränke bis spät in die Nacht."
Pantazis hält es daher für sinnvoll, die Abgabe von Alkohol an Tankstellen stärker zu begrenzen. "Wir müssen nicht akzeptieren, dass Alkohol jederzeit und praktisch überall verfügbar ist". Daten aus anderen Ländern zeigten, dass solche Maßnahmen den Konsum und alkoholbedingte Schäden reduzieren könnten.
Forderungen der Linken und AfD-Position
Ates Gürpinar, Gesundheitspolitiker der Linken, warnte, die Debatte dürfe nicht bei den Tankstellen enden. Im Supermarkt müsse Alkohol mindestens aus der sogenannten „Quengelzone“ verschwinden. Besonders bei hochprozentigem Alkohol müsse der Verkauf auf Fachgeschäfte begrenzt werden. Alkohol und Tabak seien gesundheitsschädlich und suchterregend – daran dürfe niemand verdienen. Gürpinar forderte zudem eine bessere Ausstattung von Suchtberatung, Sozialarbeit und Prävention.
Martin Sichert, gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, sagte, es sei nicht Aufgabe des Staates, Menschen von allen Lebensrisiken fernzuhalten. Seine Partei setze auf Aufklärung und Eigenverantwortung, nicht auf Verbote oder Strafsteuern. Man brauche mündige, aufgeklärte Bürger, keine Verbotsorgien. „Wir müssen als Gesellschaft davon wegkommen, immer alles zu verbieten oder zu verteuern, was bestimmten Gruppen nicht ins Bild passt – seien es fossile Brennstoffe, Urlaubsflüge oder eben auch Alkohol.“
Suchtforscher warnt vor Normalisierung
Suchtforscher Heino Stöver bezeichnete die Griffnähe zu Alkohol als großes Problem. Überall werde man mit der Normalität des Konsums konfrontiert – dabei sei Alkoholkonsum alles andere als normal. Mindestens acht Millionen Deutsche trinken so viel, dass sie ihrer Gesundheit schaden; etwa zwei Millionen erfüllen die Kriterien einer Abhängigkeit.