Super E10 kostet im Schnitt 2,286 Euro pro Liter – Politik diskutiert Gegenmaßnahmen.
Die Spritpreise in Deutschland haben ein neues Rekordhoch erreicht. Wie der ADAC am Dienstag mitteilte, lag der Tagesdurchschnittspreis für Super E10 bei 2,286 Euro pro Liter. Damit stieg der Preis im Vergleich zum Vortag um 1,3 Cent. Auch Diesel wurde teurer: Der Liter kostete im Schnitt 2,412 Euro, ein Anstieg von 0,8 Cent. Im Vergleich zum Monatsanfang sind die Preise für E10 um rund 12 Cent und für Diesel um etwa 20 Cent gestiegen. Eine Entspannung ist laut ADAC vorerst nicht in Sicht, da der Ölpreis weiter anzieht und die geopolitische Lage angespannt bleibt.
Rohölpreis steigt auf über 100 Dollar pro Barrel
Als Hauptgrund für die steigenden Preise gelten der hohe Rohölpreis sowie Lieferengpässe durch beschädigte Raffinerien in Kriegsgebieten. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent lag am Dienstagmorgen bei 107,55 Dollar, die US-Sorte WTI kostete 103,24 Dollar pro Barrel. Zudem verschärft sich die Lage durch die Sperrung der Straße von Hormus und Drohnenangriffe auf eine wichtige Pipeline in Saudi-Arabien, wie die Berliner Zeitung berichtet. Ein für Montag geplantes Außenministertreffen der Golfstaaten im Oman, das eine Lösung im Streit um die Straße von Hormus vorstellen sollte, fand nicht statt.
Tankstellen warnen vor Spritpreisen bis drei Euro
Der Tankstellen-Interessenverband warnt vor weiteren Preisanstiegen. „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen. Und wir haben sie an den Autobahnen ja schon“, sagte Verbandssprecher Herbert Rabl der Rheinischen Post. Der ADAC widerspricht dieser Einschätzung zumindest teilweise: Für einen Tagesdurchschnitt von drei Euro beim Diesel gebe es derzeit keine Anhaltspunkte, ein neuer Höchststand sei aber möglich, falls sich die geopolitische Lage weiter verschärft.
Politik fordert Entlastungen bei hohen Spritkosten
Die Politik reagiert mit Forderungen nach Entlastungen. CSU-Chef Markus Söder forderte die Bundesregierung auf, gegen die hohen Spritpreise vorzugehen und verwies auf Österreich, das staatliche Mehreinnahmen aus den gestiegenen Preisen an die Bürger zurückgibt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf gezielte Direktzahlungen, während die SPD einen befristeten Spritpreisdeckel verbunden mit der Abschöpfung krisenbedingter Sondergewinne fordert. Die Grünen schlagen Entlastungen über ein günstigeres Deutschlandticket vor, finanziert aus abgeschöpften Übergewinnen der Mineralölkonzerne.
Branche verweist auf günstigeren Dieselpreis in Deutschland
Der Branchenverband Fuels und Energie wies die Kritik zurück und betonte, dass der Netto-Dieselpreis in Deutschland nach Abzug der staatlichen Preisanteile unter dem Durchschnitt der EU-Nachbarländer sowie Italiens und Spaniens liege. Dies gehe aus einer Untersuchung von Frontier Economics hervor.