Der Sprecher und Erbe der Unternehmerfamilie Simson, Dennis Baum, wendet sich gegen die Nutzung des Namens Simson durch die AfD im laufenden Wahlkampf in Ostdeutschland. Die politische Vereinnahmung der traditionsreichen Mopeds, insbesondere der Schwalbe, sei eine Beleidigung des Familiennamens und verhöhne die Familiengeschichte, sagte Baum in einem Podcast-Interview.
Simson-Erbe fordert Vernichtung von AfD-Werbemitteln
Dennis Baum, Sprecher und Erbe der Unternehmerfamilie Simson, kritisiert die Verknüpfung der Mopeds Simson mit der AfD scharf. „Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens“, sagte Baum dem Podcast „Im Osten“ des „Tagesspiegels“ (Donnerstag).
„Unser Ziel ist es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss“, sagte Baum. Er habe darüber nach eigenen Angaben bereits mit Gesa gesprochen, der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, die die Simson-Werke in Suhl nach der Wende abgewickelt hat und weiterhin die Namensrechte von Simson hält.
„Wir haben nichts gegen die allgemeine Verwendung der Marke Simson und des Mopeds Schwalbe, es war ja auch ein Produkt der DDR“, sagte Baum weiter. Es sei aber eine Grenze überschritten, wenn mit dem Namen Simson eine Politik der Ausgrenzung verbunden werde. „Das verhöhnt unsere Familiengeschichte.“
Familiengeschichte und AfD-Kritik
Baum, der als Investmentbanker in New York lebt, ist Nachfahre und Sprecher der Simson-Familie. Seinen Vorfahren gehörte einst das Simson-Werk in Suhl, in dem Waffen und Autos hergestellt wurden, bevor die jüdische Familie von den Nazis in einem Schauprozess enteignet und als Juden aus Deutschland vertrieben wurde. In der DDR wurden in der Fabrik Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe gebaut, um die es in Ostdeutschland mittlerweile einen regelrechten Kult gibt. Immer häufiger nutzt auch die AfD die alten Mopeds zur Betonung einer neuen Ost-Identität.
Baum sieht in der AfD, die am Wochenende ihren von Protesten begleiteten Bundesparteitag in Erfurt abhalten will, und in dem Thüringer Parteichef Björn Höcke (AfD) eine Gefahr. „Höcke und seine Partei sind antisemitisch; er macht die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verächtlich“, sagte er dem „Tagesspiegel“-Podcast „Im Osten“. „Die AfD diskriminiert Menschengruppen, die migrantisch sind, oder wegen ihrer sexuellen Orientierung. Höcke ist ein Freund von Diktatoren aus aller Welt, auch solchen, die Europa gerade attackieren“, so Baum.
Besuch in Deutschland und Blick auf die Treuhand-Entscheidungen
Baum kündigte an, in den nächsten Tagen nach Deutschland zu reisen, um insbesondere junge Menschen aufzuklären. So werde er am Wochenende in Erfurt am Rande des AfD-Parteitags auf einem Demokratiefestival sprechen und auch zu den alten Produktionsstätten nach Suhl fahren. „Ich möchte, dass Menschen verstehen, was unserer Familie passiert ist, damit wir nicht wieder in eine solche Lage geraten. Der Antisemitismus wächst, die AfD ist gefährlich“, sagte Baum im Podcast „Im Osten“ des „Tagesspiegels“. Man dürfe die rechtsextreme Agenda der Partei und ihre Rhetorik des Hasses nicht tolerieren.
Baum zufolge gab es nach dem Mauerfall einen Versuch, zumindest die Jagd- und Sportfabrik in Suhl zu übernehmen, in der Jagd- und Schusswaffen produziert wurden. „Die Treuhand hat uns abgeblockt. 1994 wurde uns gesagt, dass eine Firma aus Amsterdam ein besseres Angebot vorgelegt hätte. Ein Jahr später kam heraus, dass die nichts bezahlt hatten. Die Fabrik ging pleite und musste schließen“, erklärte Baum im „Tagesspiegel“-Podcast „Im Osten“.
20 Jahre später habe er Vertreter der früheren Treuhand gefragt, warum sie die Simson-Familie damals abgelehnt hätten. Sie hätten erzählt, unter welchem immensen Druck sie gestanden hätten, das Volkseigentum innerhalb von fünf Jahren zu privatisieren. Für gründliche Recherchen hätten sie keine Zeit gehabt. Inzwischen stehen die Fabrikhallen in Suhl leer. „Die Werke geben ein trauriges Bild ab“, sagte der Simson-Erbe im Podcast „Im Osten“. „Ich fühle Trauer für all die Menschen, die ihren Job verloren haben.“
