Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland ist 2025 auf hohem Niveau geblieben. Nach Angaben des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) wurden im vergangenen Jahr 8.725 Vorfälle dokumentiert. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Zahl damit verdreifacht, rechnerisch ereigneten sich 2025 knapp 24 antisemitische Vorfälle pro Tag.
Rias registriert tausende Vorfälle und mehrere Gewalttaten
Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) stellte am Mittwoch in Berlin seinen Jahresbericht für 2025 vor. Demnach bewegte sich das Vorfallgeschehen weiter auf dem hohen Niveau von 2024. Rias dokumentierte 8.725 antisemitische Vorfälle. Im Vergleich zu 2022 ist das eine Verdreifachung der Fälle.
Jüdisches Leben in Deutschland war im Jahr 2025 wiederholt Ziel von Bedrohungen und Angriffen. Rias zählte 178 Angriffe und 257 Bedrohungen, die oft an alltäglichen Orten stattfanden. In Kehl wurden vier Gemeindemitglieder vor einem jüdischen Gebetsraum beleidigt und bespuckt, während in Hessen ein Rabbiner in einem Supermarkt angegriffen wurde. Bei diesen Vorfällen wurden die Betroffenen häufig für israelisches Handeln verantwortlich gemacht. Zudem gab es vier Fälle extremer Gewalt, darunter einen terroristischen Anschlag am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.
Mehr als ein Viertel der Vorfälle im Internet
Auch im digitalen Raum nahmen antisemitische Bedrohungen zu. Mehr als ein Viertel aller dokumentierten Vorfälle ereignete sich online, wobei fast 43 Prozent der dokumentierten Bedrohungen im Internet stattfanden. Rechtsextreme antisemitische Vorfälle erreichten mit 807 Fällen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2020. Insgesamt spielte auch das Feindbild „Zionismus“ in vielen Vorfällen eine zentrale Rolle.
Rias fordert stärkere Verantwortung von Plattformen und Behörden
Benjamin Steinitz, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Rias, sagte der dts Nachrichtenagentur zu den Zahlen, dass Online-Räume keine „rechtsfreien Räume“ sein dürften. „Unsere Wahrnehmung ist, dass viele der antisemitischen Vorfälle im Netz ungehemmter erfolgen.“ Die Plattformen müssten deshalb in die Verantwortung genommen werden, so Steinitz gegenüber der dts Nachrichtenagentur.
„Ein weiterer wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist etwas, was wir seit vielen Jahren fordern, nämlich dass Strafverfolgungsbehörden und zivilgesellschaftliche Experten und Organisationen, die antisemitische, rechtsextreme und rassistische Vorfälle dokumentieren, in einen Austausch gebracht werden können“, fügte Steinitz hinzu. Es sei wichtig, dass diese Informationen untereinander ausgetauscht und ausgewertet werden, sagte er der dts Nachrichtenagentur.
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