Finanzministerium plant Regelung: Bargeld bleibt, digitale Zahlung wird Pflicht.
Wer ohne Bargeld unterwegs ist, steht in vielen Geschäften oder Restaurants oft vor verschlossenen Türen. Das könnte sich bald ändern. Das Bundesfinanzministerium plant eine Neuregelung, die Händler und Dienstleister verpflichtet, neben Bargeld auch mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anzubieten. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, liegen dazu bereits Eckpunkte vor, die derzeit mit anderen Ministerien abgestimmt werden. Ein Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr folgen, die Umsetzung ist für 2027 vorgesehen.
Bargeld bleibt Pflicht – digitale Optionen kommen
Die geplante Regelung zielt auf mehr Wahlfreiheit für Verbraucher ab. Bargeld bleibt weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel, doch digitale Optionen wie Kartenzahlung oder mobile Bezahlmethoden sollen künftig in allen Betrieben des Handels, der Gastronomie und des Dienstleistungssektors verfügbar sein. Welches digitale Verfahren angeboten wird, können die Unternehmen selbst entscheiden – mindestens ein europäisches Verfahren muss jedoch akzeptiert werden. Ausnahmen sind für nichtkommerzielle Organisationen wie Vereine oder Wohltätigkeitsverbände vorgesehen, wie der Spiegel unter Berufung auf die dpa-Eckpunkte schreibt.
Händler fürchten hohe Kosten durch Zahlungspflicht
Die Pläne stoßen auf gemischte Reaktionen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisiert die zusätzlichen Kosten und Bürokratie für Händler. Ulrich Binnebößel vom HDE betont, dass eine einzelne Akzeptanz oft die gesamte Bandbreite an Karten erfordere, was zu komplizierten Kundengesprächen und zusätzlichen Belastungen führe. Laut einer Bundesbank-Studie kostet eine Girocard-Zahlung kleine Händler im Schnitt 1,33 Euro, während große Händler nur 29 Cent zahlen. Bargeld ist ebenfalls nicht kostenlos: Eine Barzahlung verursacht durchschnittlich 43 Cent an Kosten, vor allem durch Zeitaufwand für Kassieren, Zählen und Abrechnen.
Digitales Bezahlen soll Steuerhinterziehung erschweren
Trotz der Kritik unterstreicht das Finanzministerium die Vorteile digitaler Zahlungen. Diese seien dokumentiert und könnten Steuerhinterziehung sowie Geldwäsche erschweren. Zudem habe sich während der Pandemie gezeigt, dass viele Verbraucher bargeldlose Zahlungen als Standard erwarten. Laut einer YouGov-Studie wünschen sich 62 Prozent der Verbraucher, auch in Restaurants bargeldlos zahlen zu können – besonders bei Jüngeren ist das Bedürfnis groß.
Bargeld versus Digitalgeld – ein gesellschaftlicher Streit
Die Diskussion um Bargeld und digitale Zahlungen bleibt gesellschaftlich umstritten. Während Bargeld für viele Menschen Freiheit und Anonymität symbolisiert, sehen andere in digitalen Zahlmethoden Bequemlichkeit und Sicherheit. Die geplante Pflicht zur Wahlfreiheit soll beide Seiten berücksichtigen, ohne eine Zahlungsmethode zu bevorzugen.