Die Pflegebranche mahnt Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), den Fachkräftemangel bei der anstehenden Pflegereform nicht zu vernachlässigen. Der BPA-Präsident Bernd Meurer sieht Deutschland für internationale Pflegekräfte nicht mehr attraktiv.
Gründe für sinkende Attraktivität
Das berichtet der Newsletter "Gesundheit" des "Politico".
Lange Bearbeitungszeiten bei Arbeitsgenehmigungen und der Anerkennung ausländischer Abschlüsse führen laut Meurer dazu, dass Bewerber teilweise bis zu 18 Monate auf Entscheidungen warten müssten. "Wir haben uns im Ausland den Namen versaut".
Zusätzlich nennt er Erfahrungen mit Rassismus, vergleichsweise niedrige Gehälter und begrenzte berufliche Kompetenzen von Pflegefachkräften in Deutschland als Gründe. "Es ist ja nicht so, dass sie sagen: ach Gott, Germany, Germany, Germany. Das war mal".
Der Trend droht den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren erheblich zu verschärfen. Nach Prognosen des Statistischen Bundesamts könnten bis 2034 je nach Szenario zwischen 90.000 und 350.000 Pflegekräfte fehlen. Grund dafür seien die alternde Bevölkerung und die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen bei gleichzeitig sinkendem Arbeitskräfteangebot.
Die Reform der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) soll die erste große Aufgabe von Linnemann sein. Der SPV fehlen 22,5 Milliarden Euro in den kommenden zwei Jahren. Der Entwurf für die Pflegereform sieht deutliche Einsparungen und höhere Einnahmen vor, wobei das Problem des Fachkräftemangels kaum im Gesetzestext angesprochen wird.
Zugleich äußert sich Meurer vorsichtig optimistisch über den neuen Gesundheitsminister. Als Vertreter des Mittelstands könne Linnemann stärker auf die Belange der Pflegeunternehmen eingehen und diese in Reformüberlegungen einbeziehen.